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 Betreff des Beitrags: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Freitag 23. Januar 2009, 20:07 
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Chaire,
Wie die Überschrift schon sagt, interessiere ich mich nebenbei auch ein wenig fĂŒr das antike Schreibzeug, sprich Werkzeug, Medium etc.
Nun meine Fragen: welche Medien, und welche Tinten wurden verwendet?
Ich nehme an Schilfrohr dĂŒrfte wohl recht gĂ€ngig gewesen sein als Material fĂŒr Schreibfedern (korrigiert mich bitte falls ich auf dem Holzweg bin), als Medium kommen vielleicht Papyrus (dabei denke ich an die Papyri im hellenistischen Alexandria) und Leder (pergament ist wohl eindeutig zu modern), eventuell Tonscherben fĂŒr Notizen in Frage (Behauptung meines alten Geschichtslehrers), und als Tinte?? Vielleicht ein Ruß-Öl-Gemisch? Das klingt fĂŒr mich plausibel da Schwarze Pigmente wohl eher selten sind oder nur sehr schwierig herzustellen sind, ausserdem wĂ€re etwas auf Ölbasis weniger Feuchtigkeitsempfindlich.

Schreibfedern aus Schilfrohr herzustellen ist nicht so schwer, ich habe fĂŒr zehn StĂŒck ca. 10 Minuten gebraucht, fĂŒr Römer scheint dieses Material belegbar zu sein, und fĂŒr die Griechen?

Ihr seht, viele Fragen und relativ wenige Antworten.....
GrĂŒĂŸe
Strategos

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Strategos a.k.a Willi Miesen a.k.a. Ariston

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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Samstag 24. Januar 2009, 12:09 
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Moin,
auf die Schnelle: Römer: FĂŒr kurze Botschaften und Aufzeichnungen nutzte man Schreibtafeln tabulae ceratae, eine oder mehrere Holztafeln, die mit meist schwarzem Wachs ausgelegt waren. Geschrieben wurde mit einem Griffel aus Bein oder Metall. Die Schrift konnte man nach Gebrauch durch Glattstreichen des Wachses löschen tabula rasa.
FĂŒr lĂ€ngere Botschaften literarische Texte, Protokolle, also alles was von einiger Dauer sein sollte, nutzte man Papyrus oder seltener membrana (Pergament).
Schreibfedern calami bestanden aus Schilfrohr oder - seltener - Bronze. Sie wurden mit einem kleinen Messer scalprum angespitzt.
Schwarze Tinte atramentum wurde aus Ruß und Gummiarabicum hergestellt, rote aus Mennige (Bleioxid minium.
FĂŒr Geheimbotschaften verwendete man als Geheimtinte Milch oder schrieb mit der Spitze eines feuchten Leinenstengels.

(Schnellauszug aus Weeber, K.-W. 2000: Alltag im alten Rom. Das Leben in der Stadt)

ULFR


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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Samstag 24. Januar 2009, 19:01 
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Ah, vielen Dank ULFR!
Speziell das Tintenrezept ist interessant!
GrĂŒĂŸe
Strategos

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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Montag 26. Januar 2009, 15:18 
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Wie ist es denn mit der Tinte mit GallÀpfeln? Die gabs doch damals auch schon und gibt ein schönes Schwarz, zudem wurden auch gelegentlich Federn als SchreibgerÀt verwendet.


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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Montag 26. Januar 2009, 17:21 
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So, eine Schnellrecherche ergab, das Tinte aus GallÀpfeln seit dem 3 Jh.v.Chr. benutzt wird (Quelle: Wikipedia), scheinbar gibt es sie heute noch fertig zu kaufen (was vielleicht die Beschaffung vereinfachen könnte).
WĂ€re fĂŒr die Antike nutzbar, aber fĂŒrs klassische Zeitalter wohl etwas jung....
Nun, Federn als SchreibgerĂ€t sind sehr gut nutzbar, verband ich bislang aber mehr mit Mittelalter und Neuzeit, da mĂŒsste ich mal etwas recherchieren.

Und noch etwas: Valerio M. Manfredi erwÀhnt in seiner Alexander Trilogie eine Tinte die Holundersaft enthÀlt, ist das jetzt Fiktion oder RealitÀt??

GrĂŒĂŸe
Strategos

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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Montag 19. April 2010, 08:53 
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Also, das Holunderrezept ist mittelalterlich (da hat man auch Schlehe verwandt); als Tinte am besten Rußtinte, wie sie oben schon beschrieben wurde, allerdings ist es extrem schwer, Fettfreien Ruß zu erzeugen (vergiß die Nummer mit dem Öl in der Tinte!!!). Es gibt aber ein sehr einfaches Rezept fĂŒr gute antike Tinte: Nimm echtes Scryptol (Rußtinte aus dem Schreibwarenladen) und gib auf 50ml etwa zwei kleine Messerspitzen Gummi Arabicum (gibt es in guten Apotheken) hinein. Gut durchschĂŒtteln und stehenlassen. Gummi Arabicum ist schwer wasserlöslich, daher mußt Du die Tinte einige Tage stehenlassen und pro Tag ein Mal gut schĂŒtteln. Ich mache das immer zwei Wochen lang, dann ist das Ergebnis prima.
Als Schreibgrund sind bei klassischen Griechen Tonscherben (Ostraka) besonders beliebt - weil billig - aber nur fĂŒr sehr kurze Texte geeignet. Pergament gab es schon, war aber in Griechenland nicht verfĂŒgbar. Aus der frĂŒhesten römischen Überlieferung kennt man bereits das Schreiben auf Leder, was auch in spĂ€teren griechischen Quellen vorkommt. Ist etwas eigenartiger Schreibgrund, funktioniert aber. Wachstafeln sind ĂŒbrigens auch nichts speziell Römisches, sondern werden bereits seit der Zeit um 1500v.Chr. verwandt (Wrackfund von der sĂŒdtĂŒrkischen KĂŒste, Oluborun). Federn zum Schreiben solltest Du vergessen. Die waren nie mehr als ein schlechter Ersatz, und die Herstellung eines tauglichen Werkzeuges aus Federkiel ist aufwĂ€ndig, wegen der HĂ€rtung im heißen Sand. Besser Schilfrohr; entweder EuropĂ€isch Rohr oder, besser, Spanisch Rohr, das eine stabilere Wandung hat.

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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Montag 19. April 2010, 09:41 
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Also ich verwende zum Schreiben eine Schilfrohrfeder und hab prinzipiell Gummi Arabicum und GallĂ€pfel zu hause herumliegen®, weil ich mal Tinte selber machen wollte, aber dann mal gelesen hab dass die GallĂ€pfeltinte eher mittelalterlich ist,.. Phrynios du kennst dich da anscheinend noch besser aus, weißt du das ?

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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Montag 19. April 2010, 11:47 
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Unser Phrynios is echt durch nix zu ersetzen!
In der Tat sind das tolle Infos!
Zu Herstellung meiner Schreibwerkzeuge hatte ich als ich den Thread begann, Schilfrohr vom nahen Baggersee genommen, das ich einige Wochen lagern ließ um es absolut Feuchtigkeitsfrei zu kriegen.
Ich hab da jetzt eine Menge rumliegen, wobei einige wirklich knochenhart sind.
Bisher fehlte mir nur die Tinte.
Wie sieht es eigentlich mit Papyrus als Schreibgrund aus, ich hatte mal ein Aristoteles Manuskript gesehen welches auf Papyrus geschrieben war, römische Kopie oder griechisches Machwerk (ja es war auf griechisch geschrieben, aber wer weiß)?

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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Montag 19. April 2010, 16:32 
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Gut dass wir barbaroi das nicht brauchen. :D Wir stempeln in Ton! :razz:

Nein, wirklich interessant. Ist das spanische Rohr von der StabilitĂ€t und dem Aufbau mit dem asiatischen Vergleichbar? WĂŒrde mich allein schon wegen persichen Pfeilen interessieren.

Und das europÀischen Rohr, meinst du Phragmites australis oder eine Art von Typha? Ich hab hier nÀmlich noch einige getrocknete Typhahalme herumliegen aus denen ich Pfeile machen wollte. Die sind aber nicht gerade getrocknet und jetzt werden die entweder ein Rohr-pelte oder Schreibhalme.

lg Stephan


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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Montag 19. April 2010, 20:50 
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Uiuiui... der Reihe nach: Papyros ist freilich eine uralte Kiste, gibt es seit etwa fĂŒnf Jahrtausenden, allerdings stand es außerhalb Ägyptens vor dem Hellenismus fast gar nicht zur VerfĂŒgung.

Eichengallus ist nicht mittelalterlich, allerdings vorher nur lĂŒckenhaft nachweisbar. Vor allem in den Nordwest-Provinzen des Römischen Reiches. - Ă€hh... bittewarten... Ahja! In Dodona (Heilige Eiche des Zeus!) wurden die Orakel aller Wahrscheinlichkeit nach mit Galltinte notiert, war also schon frĂŒher bekannt, wie's scheint.

Dain: Die botanischen Namen sind mir leider nicht gelĂ€ufig, nur die tatsĂ€chlichen Unterschiede, denn Spanisch Rohr hat eine dickere Wandung als EuropĂ€isch Rohr. Tatsache ist folgende: UrsprĂŒnglich wuchs in "unseren Breiten" fast ausschließlich EuropĂ€isch Rohr, bis die Mönche des Mittelalters gezielt Spanisch Rohr anbauten, weil es im Scriptorium bessere Dienste leistet. Das heißt, das Schilfrohr, das man heutzutage so wachsen sieht, ist mit einiger Sicherheit Spanisch Rohr, denn EuropĂ€isch Rohr ist fast völlig verdrĂ€ngt (außer vielleicht in Gegenden wie den unter Schutz stehenden Au-Ufern der Donau oder so). Ob das aber fĂŒr Pfeile taugt... ich bin kein BogenschĂŒtze!

Ariston: Soll ich vielleicht mal meine Schreibzeugkiste nach Otterbach mitbringen?

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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Dienstag 20. April 2010, 11:08 
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Gern, das wÀr super, ich bring dann mal auch 2 meiner Erstlingsrohre mit!

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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Dienstag 20. April 2010, 11:43 
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werd auch mal mein Schreibzeugs mitnehmen ;)

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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Dienstag 20. April 2010, 16:52 
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Nicht zu vergessen, das auch sehr viel auf Holztafeln ohne Wachs geschrieben wurde. Funde dazu sind auch in der Schweiz (Vitodurum) reichlich gemacht worden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Schreibuntensilien
BeitragVerfasst: Dienstag 20. April 2010, 17:09 
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Na gut, der VollstĂ€ndigkeit halber: Sehr viel Römisches Schriftgut ist auch auf geweißten Holzbrettchen erhalten. Die Brettchen wurden mit einer Lasur aus Buttermilch (Kasein!) und Kalk (oder Gips) ĂŒberzogen.

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BeitragVerfasst: Dienstag 20. April 2010, 18:37 
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FĂ€llt aber doch wohl fĂŒr Griechen weg, richtig?

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