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BeitragVerfasst: Dienstag 27. November 2007, 20:52 
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Hi folks,

da ich gerade fĂŒr meine Thrakerdarstellung ( zwischen 400-350/340) ein Schnittmuster fĂŒr meine Embades gemacht habe wollte ich eure Meinungen zur Fertigung dieser thrakischen Stiefel einholen. Ich hab sie jetzt aus drei Teilen, Sohle, Oberleder und Zunge sowie 4 Zierlappen fĂŒr die Schaftenden die mit einem U-förmig gefalteten Lederstreifen der an der Oberkante Lappen und Schaft verbindet entworfen. FĂŒr die KreuzschnĂŒrung hab ich mir ĂŒberlegt innen Lederschlaufen einzunĂ€hen die zwischen Zunge und Schaft hervorschauen um das Oberleder zu schonen da SchnĂŒrungslöcher immer schnell außgeleiert und unansehnlich sind. Der Entwurf ist aus steifen und halbwegs dickem Filz gemacht und als Wendeschuh mit hochgezogener Ferse gefertigt. FĂŒr die Eigentlichen Stiefel hab ich mir jetzt fĂŒrs Oberleder und die Lappen 2mm und fĂŒr die Sohle 3-4mm vegetabil gegerbtes Rindsleder besorgt. Ich hĂ€tte auch noch eine halbe Haut 7mm Sohlenleder hier herumliegen aber mit dem lĂ€sst sich kein Wendeschuhmodell nĂ€hen. Was ist eure Meinung zu der Fertigungstechnik; Wendeschuh oder eher platt ĂŒbereinander genĂ€ht oder gar eine stumpfe Fuge?

Andere Schuhformen hab ich fĂŒrs frĂŒhe 4. JH auch gefunden bspw. auf der Silberkanne aus dem Schatz von Borowo, Bezirk Russe, die wohl von Kotys I. Silberschmied Etbeos gefertigt wurde. Dargestellt sind spitz zulaufende aber nicht aufgebogene Schuhe mit weitem umsĂ€umten Ausschnitt der den Rist freilĂ€sst(?) (leider sieht man nicht wo die Schuhe aufhören der Mantel der um die Beine geschlungen ist behindert die Sicht). Außerdem Schnabelschuhe mit ĂŒberlangen nach oben geschwungenen Spitzen die nur mehr aus dem zusammengerollten Oberleder bestehen, mit seperat aufgebrachter Sohle mit Naht auf beiden Seiten der Stoßkante (auf Sohle und Oberleder :? ). Der Schaft liegt eng am Bein an und endet kurz vorm Wadenmuskel. Die SchnĂŒrung auf der Front reicht bis zu den Zehenwurzeln und da das Leder fiele Falten wirft und fast schon textil aussieht denke ich hat man hier zumindest fĂŒrs Oberleder dĂŒnnes Ziegenleder verwendet hat. (*)

lg Stephan

(*) Die Abbildungen sind ĂŒberhaupt sehr detailiert und meiner Meinung nach eine Gute Kleidungsvorlage fĂŒr diesen Zeitabschnitt. Außerdem fĂ€llt mir auf das die Form der Silbervase von Borowo dieselbe Form (Rugbyball) hat wie eine lederne skythische Trinkflasche die derzeit in MĂŒnchen in der Sonderausstellung liegt.


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BeitragVerfasst: Dienstag 27. November 2007, 21:18 
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Klingt gut, fĂŒr meinen Teil.
Ich selbst schlage mich auch gerade mit der Schuhmode herum.
Auf dieser Abbildung sieht man die SchnĂŒrung besonders gut, wie ich finde. Sieht u.a. so aus, als wĂ€ren mehrere schmale Riemen um den gesamten Schaft genĂ€ht, welche in Laschen fĂŒr die SchnĂŒrung enden.
Beim linken Fuß scheint auch hier der Faltenwurf am Spann ein recht dĂŒnnes, gerafftes Leder zu implizieren.

Bild

Rotfigurige Pelike, Sozopol, 5. Jhd.v.u.Z.
aus The Thracians 700 BC - AD 46, C.Webber/A.McBride, Osprey Publishing

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BeitragVerfasst: Dienstag 27. November 2007, 21:54 
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Schön dass du gerade dieses Bild einstellst :D (ich selbst bin zu sowas leider nicht fÀhig :oops: ). Das wÀre mein nÀchstes Thema gewesen: halblange und Dreiviertelhosen auf dem Gundestrupkessel (1.JH) und auf dieser Vasenabbildung (5.JH).

Was mir in dieser Großansicht aber gerade auffĂ€llt ist dass die Ferse ausgerabeitet ist, der Stiefel also wahrscheinlich eine Naht auf der RĂŒckseite hat oder eine ziemlich hoch gezogene Sohlenferse :? , denk ich mal oder was meinst du?


lg Stephan


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BeitragVerfasst: Dienstag 27. November 2007, 22:53 
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Hm, nimm's mir nicht ĂŒbel, aber ich sehe auf dem Bild keine halblangen Hosen, sondern ĂŒberkniehohe Stiefel oder Beinlinge. Bin mir mittlerweile, bei der Höhe des Schuhwerks, nicht einmal mehr sicher, daß diese aus Leder sein mĂŒssen. Eventuell handelt es sich hier, wie erwĂ€hnt, auch um eine Art Beinlinge aus Wolle, mit Ledersohle und einzelnen Lederapplikationen verstĂ€rkt.
Die Ferse wĂŒrde ich, dieser Abbildung nach, fĂŒr durchgehend bis zu einer flachen Sohle genĂ€ht halten, Ă€hnlich römischen Calligae. Weist auch eine gewisse Ähnlichkeit zu dem keltischen SteifelgefĂ€ĂŸ Ende 3., Anfang 2. Jhd.v.u.Z. aus Curtuiuseni/RumĂ€nien auf.
Anbei: was die halblangen Hosen vom Gundestruper angeht, so habe ich mir diese fĂŒr meine Skordisker-Darstellung zum Vorbild genommen. Call me White Stockings... :D

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BeitragVerfasst: Mittwoch 28. November 2007, 00:11 
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Dain II. hat geschrieben:
Schön dass du gerade dieses Bild einstellst :D (ich selbst bin zu sowas leider nicht fÀhig :oops: ).

Stephan, du solltest eigentlich unter dem freien Text-Block eine Zeile sehen mit der Bezeichnung "Dateiname", daneben ein Button "Durchsuchen", da klicken und das Bild hochladen. Wie hier:


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BeitragVerfasst: Mittwoch 28. November 2007, 00:27 
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stephan, ich glaub das stimmt: bei genauerer betrachtung sieht es wirklich so aus, als wĂ€ren das stiefel die ĂŒbers knie reichen und bei denen die zierlappen runterhĂ€ngen. also doch keine hose... :?
schade, hÀtte nÀmlich was gehabt, diese version mt dreiviertelhose...
was die stiefel betrifft, gibt es wirklich die unterschiedlichsten darstellungen, mir kommt vor, es gab zwar eine gewisse form, die meist eingehalten wurde, aber die ausfĂŒhrung (nĂ€hweise, material) waren je nach können/finanziellen mitteln etc. verschieden.
ich plage mich ja auch schon mit dem leidigen thema schuhe herum... denke aber, fĂŒr eine frau sind wohl doch eher halbschuhe passend. ich kenne nur eine abbildung einer frau mit stiefeln, und das ist offensichtlich eine göttinnenabbildung (siehe anhang bild 1). kennt jemand vielleicht noch das ein oder andere?
mein kleid nĂ€he ich nach der deckenbemalung des grabmals von kazanlak (3. jhd.), leider sieht man bei den damen mit diesem kleidtypus die fĂŒsse nicht, da die kleider so lang sind.
aber die (vermutlich adlige) frau die sitzt zeigt schuh - aber ganz 100% klar sieht man nicht, ob es nur halbschuhe sind. allerdings denke ich, stiefel wÀren bei dieser kleidung wohl eher sinnlos und wenig angebracht. manchmal kommt mir sogar vor, sie trÀgt sogar nur schlappen.... was denkt ihr bei betrachung des bildes? (anhang bild 2)


DateianhÀnge:
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BendisPiraeus.jpg [ 28.57 KiB | 20780-mal betrachtet ]
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BeitragVerfasst: Mittwoch 28. November 2007, 08:08 
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In der Tat können die Embades, welche wohl meistens aus Hirschleder (Herodot, Hist. VII, 75) hergestellt waren, verschiedene SchaftlĂ€ngen und SchnĂŒrungsmethoden haben. Charakteristisch sind aber die Lappen, welche vom Schaftende herabfallen. Was Hosen anbetrifft, so sind sowohl in der Grabmalerei von Alexandrovo (frĂŒhes 4. Jh. v. Chr.) als auch auf einigen Metallappliken des Schatzfundes von Letnica (4. Jh. v. Chr.) enganliegende Hosen mit FĂŒĂŸlingen zu sehen, wobei zu diesen auf den Alexandrovoabbildungen Halbschuhe getragen werden (was allerdings nicht bedeutet, dass nicht auch Embades zumindest möglich wĂ€ren). Ich denke, dass je nach Witterung und praktischen Erfordernissen sowie nach Anlass (Jagd, Alltag, Krieg, Fest...) durchaus verschiedene Kombinationsmöglichkeiten aus Chiton, Klappenrock, Hose, keine Hose, Alopekis, barhĂ€uptig, Zeira, Embades, Halb- bzw. Schnabelschuhe möglich sind.
Was Frauenkleidung anbetrifft, so zeigen die Darstellungen auf griechischen Vasen in der Regel auch bei Thrakerinnen griechische Kleidung. Was sie als Thrakerinnen kennzeichnet, sind ihre TĂ€towierungen. In hellenistischer Zeit ging sowohl bei Frauen als auch bei MĂ€nnern der Trend hin zur Übernahme griechischer Kleidung (wie ja auch in der von Johanna gezeigten Wandmalerei zu sehen ist). Auf verschiedenen, meistens ins 4. Jh. v. Chr. datierenden thrakischen MetallgefĂ€ĂŸen tragen die Frauen (welche in einem religiös-kultischen Kontext erscheinen) ein Kleid: "Es besteht offenbar aus einem weiten Umhang, der aus einer breiten oder zwei zusammengenĂ€hten schmĂ€leren Stoffbahnen mit Schlitzen fĂŒr die Arme besteht. Dieser Umhang wird vorn so ĂŒbereinandergeschlagen, daß die linke Vorderseite weit nach rechts reicht und vom rechten Oberarm festgehalten wird. Borten, Verzierungen oder Knöpfe sind nicht dargestellt." (Rolf Hachmann: MĂ€nner- und Frauentracht in Thrakien). Ebenfalls beschreibt Hchmann, dass zu diesem Kleid noch ein langer Schal getragen wurde. Auf den schon erwĂ€hnten Metallappliken von Letnica sind auch Frauengestalten zu sehen, welche meiner Meinug nach eine Kombination aus knöchellangem Rock und einer mit Ärmeln (lang bzw. Halblang) versehenen Bluse tragen. Die Frauen sind barfĂŒĂŸig dargestellt, doch sind wohl auch Halbschuhe zu vertreten.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 14. Januar 2009, 18:54 
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Damit bei uns Triballer etwas weiter geht, haben wir uns am Wochenende getroffen, um Schuhschnitte fĂŒr thrakische Schuhe anzufertigen. Das daraus folgende Resultat könnt ihr oben sehen. Zur Zeit habe ich nur den rechten Stiefel fertig, den linken mache ich am Wochenende.

Der Schuh ist wendegenÀht, das dunkle Leder ist aus Rinds- und das helle aus Kalbsleder.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 14. Januar 2009, 19:31 
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Sieht klasse aus Renatus, Kompliment.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 14. Januar 2009, 19:32 
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Ganz, ganz toll! GefÀllt mir ausnehmend gut.

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BeitragVerfasst: Mittwoch 15. Juli 2009, 20:30 
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So ich hab meine jetzt auch endlich (bis auf die Flappen) fertig. Lassen sich zu meiner (angenehmen) Überraschung auch unter den Knemedes gut tragen.

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lg Stephan :D


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BeitragVerfasst: Mittwoch 15. Juli 2009, 20:40 
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Sieht sehr schick aus, gratuliere!

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BeitragVerfasst: Freitag 17. Juli 2009, 09:22 
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Wirklich schneidig. Alle Achtung!

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BeitragVerfasst: Freitag 17. Juli 2009, 17:41 
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Habe die Stiefel ja schon in Frög bewundert,aber nochmal SUPER hast du die gemacht Stephan.

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BeitragVerfasst: Samstag 18. Juli 2009, 20:57 
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@Stephan: SUPA!!! :D
Aber ich zeig auch mal die von Andreas:
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Ich brauch auch noch solche Dinger!!! :cry: :mauer:

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