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BeitragVerfasst: Mittwoch 20. Mai 2009, 12:34 
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Registriert: Sonntag 24. Juni 2007, 15:49
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Andreas hat geschrieben:
...
Marcus dĂŒrfte auf der richtigen Spur sein, wenn er glaubt, dass die materielle Ausstattung fĂŒr Auftraggeber keine so große Rolle spielen wĂŒrde wie fĂŒr die Szene.
...

Um in diese Kerbe zu schlagen bzw. sie zu erweitern:

das "Museum/der Veranstalter" hÀtte eigentlich genau zu definieren was von einer PrÀsentation erwartet wird:

:arrow: lediglich das VorfĂŒhren einer bestimmten Handwerkstechnik usw. - dies kann auch in Jeans vorgefĂŒhrt & erklĂ€rt werden.
Beispiel:
einen Webstuhl in einem sonst leeren Grubenhaus mit historischer Kleidung zu betreiben ist eher befremdend

oder

:arrow: das Vorleben einer Situation in einem dazupassenden Umfeld egal ob z.B. Handwerkstechnik, Hausbewohnung, Gefechtsdarstellung etc.

dafĂŒr muss vom Veranstalter ein gewisses Umfeld geschaffen werden:

Beispiele:
Hausbelebung: wer stellt Inventar zur VerfĂŒgung und gestattet (z.B. in einem Museumsdorf) die Benutzung/Abnutzung desselben.

Gefechtsdarstellung: soll es eher ein Publikumsmagnet/"Kinderbelustigung*" sein?
oder die "Darstellung" eines "richtigen Gefechtes" - ist sich der Veranstalter dann eigentlich auch bewusst, dass Darsteller "echt bluten" können?
Wer kommt dann fĂŒr allfĂ€llige Behandlungskosten auf? Wer erklĂ€rt dem Krankenhaus (fĂŒr deren Protokoll) dass die ZĂ€hne von einer Schildkante ausgeschlagen wurden? Wer klĂ€rt mit der Krankenversicherung dann, dass sowas "nicht mutwillig" entstanden ist?

*Kinderbelustigung: Wir haben fast 10 Jahre lang "erfolgreich" (auf ausdrĂŒcklichen Wunsch eines Museums) Schlachten "entschĂ€rft" fĂŒr Kinder & jugendliche Besucher "nachgestellt" - nach dem Motto: 1., die Kinder kommen nur mit eintrittszahlenden Erwachsenen 2., die Kinder von heute ("positives Museumserlebnis") sind die "Museumskunden" von morgen.

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>>>wer hier Schreibfehler findet darf diese behalten und auch selbst verwenden<<<


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BeitragVerfasst: Mittwoch 20. Mai 2009, 14:40 
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Falcon, du sprichst mir aus der Seele!

Denn der Verschleiß "unserer" GerĂ€tschaften und Rekonstruktionen (die teilweise div. Museumsauslagen bei weitem ĂŒbertreffen) geht immer zu unseren Lasten.

Ich will nicht wissen, wie viel Glas und Keramik schon durch Besucher zu Bruch gegangen ist.
Oder bei Kampfshows. Es ist nicht nur mir geschehen, das bei einer musealen VorfĂŒhrung ein Binns geknackt ist.
O.k., KÀmpfer sind oft cool, besonders wenn sich alle kennen. Dann gibt ein jeder ein Paar Taler und im nÀchsten Jahr wird das neue Schwert betrunken.
Aber, zu Gunsten des Museum ging (zum GlĂŒck nur) ein nicht nur kostspieliges Unikat zu Bruch. Den Schaden trĂ€gt der Darsteller.
Und bei Verletzungen? Da will ich erst gar nicht drĂŒber nachdenken.
Möchte mal wissen ob bisher ein Museum oder anderer Veranstalter fĂŒr eine neue BrĂŒcke bezahlt hat ...

Nun könnte man argumentieren, das Handwerker ja schließlich auch ihr Werkzeug und Material mitbringen.
Doch dann will ich auch meinen Tagessatz, zzgl. MwSt. kassieren, so wie bei jeden normalem Job.
Aber dann ist es kein Hobby mehr ...

Abgesehen davon, wĂŒrde sich dann eine "QualitĂ€tskontrolle" erĂŒbrigen, da so die Fachleute das Gros am VorfĂŒhrmaterial bereit stellen.

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... die Letzten beissen die Hunnen!
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BeitragVerfasst: Mittwoch 20. Mai 2009, 17:04 
Miles Gregarius
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Registriert: Samstag 10. September 2005, 11:57
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Zitat:
... Es ist keineswegs so, dass man LH ĂŒberall als legitime Methode der Vermittlung anerkennt und mit offenen Armen empfĂ€ngt. Vielen ist die ganze Sache immer noch suspekt, nicht zuletzt weil sich LH außerhalb der etablierten Bahnen der akademischen Forschung und Lehre bewegt und weitgehend von Akteuren außerhalb dieser Welt gestaltet wird. ...


Hallo Andreas,

Ich hĂ€tte bei der ganzen "Diskussion" schon ein besseres GefĂŒhl wenn die Museen bzw.
Akademiker die der LH positiv gegenĂŒberstehen mal ihre WĂŒnsche niederschreiben
wĂŒrden. Das wĂ€re dann eine Diskussionsbasis mit der man arbeiten kann und dann mit
den Ergebnisse vielleicht sogar skeptische Museen ĂŒberzeugen kann.

GrĂŒĂŸe
Sermonius

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Marcus Mentellius Sermonius


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BeitragVerfasst: Mittwoch 20. Mai 2009, 23:06 
Togatus
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Hallo Marcus,

es gibt da im Augenblick wohl nur zwei Publikationen, die mir einfallen und den aktuellen Stand der Diskussion vielleicht einigermaßen wiedergeben:

Duisberg, Heike, ed. 2008. Living History in Freilichtmuseen: Neue Wege der Geschichtsvermittlung. Ehestorf: Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg.

Carstensen, Jan, ed. 2008. Living history im Museum: Möglichkeiten und Grenzen einer populĂ€ren Vermittlungsform. MĂŒnster: Waxmann.

Die BĂŒchlein kosten jeweils nicht viel und sind ĂŒber die bekannten Online-Lieferdienste zu beziehen. Darin kommen sowohl BefĂŒrworter wie Skeptiker zu Wort. Wer beide BĂ€nde durchgeht wird wohl vor allem eines feststellen: es gibt keine klare Linie, nur eine Menge Einzelmeinungen. Die LektĂŒre offenbart fĂŒr mich auch, dass die Autoren einen sehr unterschiedlichen Wissensstand in Sachen LH in die Diskussion einbringen, was es ungemein erschwert, eine gemeinsame Basis zu finden, von der aus man weiter arbeiten könnte.

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Heritage Interpreter und Autor


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BeitragVerfasst: Donnerstag 21. Mai 2009, 09:55 
Togatus
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Falcon hat geschrieben:
das "Museum/der Veranstalter" hÀtte eigentlich genau zu definieren was von einer PrÀsentation erwartet wird:


Ich möchte die Gedanken von Falcon und Jupdd aufnehmen und weiterentwickeln, nĂ€mlich dass der Veranstalter das entsprechende Umfeld fĂŒr eine LH-PrĂ€sentation schaffen und die Rahmenbedingungen klar definieren muss.

Bisher haben wir unter dem Stichwort QualitĂ€t hauptsĂ€chlich nur betrachtet, was die Darsteller (und hier auch wieder in erster Linie die Hobbyisten) fĂŒr die QualitĂ€t tun mĂŒssten.

Wir sollten auch vermehrt fragen, welche Pflichten und Notwendigkeiten auf die Veranstalter, also die Museen zukommen. Man kann kein erfolgreiches Programm durchfĂŒhren, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Darunter wĂŒrde ich nicht nur so naheliegende Dinge wie die Bereitstellung von geeigneten RĂ€umlichkeiten (Umkleiden, Auftrittsorte im Museum) und LagerstĂ€tten, sanitĂ€re Anlagen, Wasserversorgung (fĂŒr klassische reenatment-Zeltlager) verstehen, sondern auch die generelle GeschĂ€ftskultur inklusive der Entlohnung, Versicherungsfragen usw.

Living History wird fast ĂŒberall (Ausnahmen z.B. Kiekeberg mit eigenen Freiwilligen) von externen Anbietern geleistet, seien es nun Hobbyisten oder professionelle Anbieter. Somit entsteht automatisch eine GeschĂ€ftsbeziehung zwischen aufeinander angewiesenen Partnern. Gestalt und GĂŒte dieser Beziehung nehmen unmittelbaren Einfluß auf das Endprodukt, deshalb mĂŒssten wir auch dieses Segment einmal genauer betrachten.

(Gute Idee, diesen Diskussionsstrang aus dem Thread "Notwendigkeit einer QualitÀtskontrolle" auszukoppeln.)

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BeitragVerfasst: Donnerstag 21. Mai 2009, 14:36 
Tesserarius
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Ich habe mir erlaubt, das Thema zu teilen.
So ganz neu sind Forderungen nach QualitÀtsstandarts nun auch wieder nicht. Bereits im Colloquium zur Museumsarbeit 1999 wurden stimmen laut, die bestimmte qualitative Probleme in den neuen MuseumspÀdagogischen Wegen kritisierten, auch wenn es damals eher um das "Mitmach"-Museum ging, also um die QualitÀt der Materialien und Vorlagen sowie Informationen, die zum Basteln, ausprobieren und selbst erleben dienten.
Umso erstaunlicher, dass 10 Jahre danach noch immer nichts geschehen ist, im Gegenteil, dass mittlerweile der Anspruch der Wissensvermittlung den Darstellern aus dem Museum heraus folgt auf Dorffeste und Veranstaltungen rein monetÀrer natur.

Vielleicht sollte man selbst eine Initiative starten und bestimmte Stellen und Professoren ansprechen, ob diese bereit sind, ihre Anforderungen zu formulieren. Vielleicht auch vereinfacht durch einen Fragebogen.

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Wer war froher als Neanth, da er sich Meister von diesem wundervollen
Instrumente sah, wodurch er, ohne das mindeste von der Musik zu
verstehen, der Erbe des Talents eines Orpheus zu sein glaubte! - Lukian

Tib. Gabinius Primus
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alias Tobias


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BeitragVerfasst: Freitag 22. Mai 2009, 13:10 
Togatus
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Ja, eine Studie darĂŒber, was die Museen als Institution und auch die Didaktiker/PĂ€dagogen von LH erwarten fehlt uns.

Und da es nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Studien nur an UniversitĂ€ten durchgefĂŒhrt werden dĂŒrften, kann es genausogut auch von Darstellerseite ausgehen. Denn diese Informationen wĂ€ren fĂŒr unsere Arbeit - Hobbyisten wie Profis gleichermaßen - ausgesprochen wertvoll.

Wer traut es sich zu, am Design der Studie mitzuwirken?

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Heritage Interpreter und Autor


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BeitragVerfasst: Mittwoch 27. Mai 2009, 21:38 
Miles Gregarius
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BeitrÀge: 751
Hallo,

man könnte so was auch gut als Diplomarbeit machen ...
(Dann ist die ErlĂ€uterungsphase bei den Befragen kĂŒrzer)
Bei der Gestalltung mache ich gerne mit, ich werde nur Probleme haben tatsÀchlich
Interviews zu fĂŒhren.

Wollen wir zielgerichtet unser eigenes Kriterienschema abprĂŒfen oder wollen wir
dem Befragten komplett "frei laufen lassen". Bei ersterem hÀtte man einen klaren roten
Faden und Anworten sind direkt vergleichbar. Beim zweiten Ansatz haben wir die Chance
auch völlig andere AnsÀtze kennenzu lernen - allerdings besteht die Gefahr das wir lauter
nicht vergleichbare Interview bekommen.

valete
Sermonius

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Marcus Mentellius Sermonius


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 Betreff des Beitrags: Fragebogen an Veranstalter
BeitragVerfasst: Donnerstag 28. Mai 2009, 07:16 
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Wie wÀr's zuerst mit einem "freien Interview", danach mit dem Befragten die eigene "Check-Liste" durcharbeiten.

Ist zwar doppelte Arbeit, es sollte dann aber eigentlich kein (und vor allem vorher unbekannter/unberĂŒcksichtigter) Aspekt ĂŒbersehen werden können.
Weiters wÀre diese Vorgangsweise auch eine Testung ob der "gelehrte Interviewpartner" bei eigener Definition und fremder Fragestellung zu gleichem Thema sinngemÀss die gleiche Antwort gibt.

HĂ€tten wir ja schon erlebt: "Wir bieten was an - das Museum lehnt ab - verlangt im Gegenzug genau das Angebotene mit anderen Worten"

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