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BeitragVerfasst: Dienstag 27. November 2007, 21:46 
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Auf einem Teller der im Katalog "Der thrakische Silberschatz von Rogozen Bulgarien" (Seite 67, 68, 69) ist in wundersch√∂ner Treibarbeit ein thrakisierter Herakles (L√∂wenfell und Keule) auf einem Felsen sitzend abgebildet mit einer Frau vor ihm die nach seiner Hand greift. Aufgrund des Schmucks der Frau l√§sst sich die Darstellung/Herstellung zwischen 375-350 BC datieren. Vor dem Fels des Herakles liegt ein zylindrischer K√∂cher mit der L√§nge nach aufgebrachten Verzierungen (Bemalung, Punzierung, Schnitzereien?). An der Oberkante ist eine Abdeckplatte mit breiterem Durchmesser als der K√∂cherkorpus angebracht die mit 5 Kreisaugenverzierungen die wie bei einem W√ľrfel angeordnet sind verziert ist. Den Korpus sch√§tze ich mal auf 50 bis max. 60 cm in der L√§nge und 10-15 cm im Durchmesser. An dem K√∂cher ist ein nur wenig gr√∂√üerer Bogen skythischer Art mit Rohhaut- oder Lederumwicklung in gespanntem Zustand angebunden (allerdings ist keine aufgezogene Sehne zu sehen m√∂glicherweise ist der Bogen auf schon im ungespannten Zustand so stark gebogen, L√§nge ca. 70-80 cm), und zwar mit einem ziemlich langen Trageband (Leder oder Textil) dessen Enden in (sich selbst zusammenziehenden?) Schlaufen gebunden sind die lasch √ľber den beiden Enden von Bogen und K√∂cher h√§ngen.

Interessant finde ich hierbei dass der Bogen und der K√∂cher vom Glauberg (keltisches Grab der Latenezeit A um 450-400 in der Wetterau in Hessen) in derselben Lage gefunden wurden wie sie hier abgebildet sind. Auch die L√§nge des Bogens passt fast √ľberein, vermutlich war der noch zus√§tzlich in einer Lederh√ľlle gesteckt worden. Der linsenf√∂rmige oder runde K√∂cher im Grab vom Glaubergf√ľrsten war aus zwei Pappelholzschalen gefertigt und au√üen mit Leinen beleimt. Die Pfeile waren in Wolltuch eingeschlagen und in einer Ledertasche mit Deckel deponiert. Auch der K√∂cher von Hochdorf war in einer √§hnlichen Weise gebaut dort hat man aber die runden Boden und Deckelscheiben gefunden. Und schon wieder eine auff√§llige Parallele zwischen den Fr√ľhlatenekelten und den Thrakern.

lg Stephan

P.S.: Auch auf dieser thrakischen Heraklesabbildung sieht man wieder die Keule mit mehreren Reihen "N√§geln" wie auf der Zierplatte von Panagjurischte. In diesem Fall aber sieht man deutelich dass es ein beinlanges, verknorpelt gewachsenes St√ľck Wurzelholz ist, mit kurzem, umwickelten und knauflosem Griff ohne Fangriemen das an den Knubbeln mit N√§gelk√∂pfen oder √§hnlichem bew√§hrt ist. Gibts dazu Funde?


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BeitragVerfasst: Mittwoch 28. November 2007, 14:39 
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Kannst Du ein Bild verlinken? Obwohl Du die Darstellung wirklich sehr gut beschrieben hast, w√§re das zur Erg√§nzung doch recht hilfreich. Was ist unter einem thrakisierten Herakles zu verstehen? Da√ü der Bogen in unbespanntem Zustand so stark in Schu√üposition gebogen sein soll, halte ich f√ľr unwahrscheinlich; wo soll dann die Spannung f√ľr die Beschleunigung des Pfeils herkommen? Ein ungespannter S-Bogen sieht ja manchmal fast wie ein umgekehrt gespannter aus. Oder vielleicht war die Sehne aufgemalt oder wurde aus irgendwelchen k√ľnstlerischen Gr√ľnden weggelassen? Ich w√ľrde den Teller gerne mal sehen, da ich gerade ein gewisses Interesse an B√∂gen habe. :)

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Antinoos aka Wolfgang Zeiler


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BeitragVerfasst: Mittwoch 28. November 2007, 15:27 
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ich denke, es geht um diesen teller.
ich krieg die vergrösserung des köchers leider nicht besser hin..


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BeitragVerfasst: Mittwoch 28. November 2007, 16:48 
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Auf dem silbernen G√ľrtelblech von Loves sind zwei knieende Bogensch√ľtzen zu sehen. Beide haben Kompositb√∂gen und es ist ein Gorytos zu erkennen.

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Wer m√ľ√üig geht, wird hoch geehrt; wer das Feld bebaut, wird tief verachtet. Das ehrenvollste Leben ist das Kriegs- und R√§uberleben. (Herodot √ľber die Thraker)


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BeitragVerfasst: Donnerstag 29. November 2007, 19:04 
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Vielen Dank, Sionnach, ist sehr gut zu sehen!

Der Bogen sieht jedenfalls wie bespannt aus. Die Form kann er unm√∂glich in unbespannter Form haben, sonst w√§re er kaputt. In Bogensch√ľtzendarstellungen ist aber h√§ufig die Sehne scheinbar nicht abgebildet, in T√∂lle-Kastenbeins Buch √ľber Pfeil und Bogen im alten Griechenland finde ich leicht mehr als ein Dutzend Malereien, wo man die Sehne nicht sieht. Also nicht so schlimm f√ľr den Teller. ^^

Warum ist der Herakles thrakisiert? Fell, Bogen und Keule sind eigentlich typische Attribute von Herakles.

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Antinoos aka Wolfgang Zeiler


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BeitragVerfasst: Donnerstag 29. November 2007, 20:21 
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Hab mich falsch ausgedr√ľckt, nicht vom Aussehen her sondern lediglich vom Stil in dem er abgebildet ist. Die Art Menschen in diesem Kunststil auf Metallgeschirr darzustellen ist f√ľrs 4. JH bei den Thrakern scheinbar in Mode, sprich sehr realistisch darzustellen und auch ein paar Fettpartien mit einzubauen, also nicht so gesch√∂nt wie bei griechischen oder r√∂mischen Statuen bspw. (bei den M√§nnern sieht man meistens einen kleinen Bierbauch/Plautze) . :wink: Man sieht die Thraker haben gerne und gut gespeist :D .

Das der Bogen auch ein typisches Heraklesattribut ist wusste ich nicht ich ging immer nur von Löwenfell und Keule aus, obwohl ich mich an eine Szene aus der griechischen Mythologie zu erinnern meine in der Herakles jemanden seinen Bogen anbietet damit derjenige Herakles verbrennt, wenn ich mich nicht irre? (Nein ich habe nicht das Sam Hawkings-Syndrom :D )

lg Stephan


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BeitragVerfasst: Freitag 30. November 2007, 14:30 
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Herakles hatte den Bogen von Apollon gekriegt, bevor er sich K√∂nig Eurystheus andiente. Er hat damit z.B. den Zentauren Nessos get√∂tet. Daher ist der Bogen meines Wissens auch eines seiner Attribute. Das mit den Thrakern und dem "Bierbauch" ist ja interessant. ^^ Ich kenne mich mit thrakischer Kunst (und auch sonst) leider gar nicht aus. Beim abgebildeten Herakles hatte ich daher nat√ľrlich an einen griechisch-muskelgest√§hlten Unterleib gedacht. :D

√úbrigens sahen wirklich alle Griechen so gut aus wie in den Statuen abgebildet. :wink:

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Antinoos aka Wolfgang Zeiler


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BeitragVerfasst: Mittwoch 22. April 2009, 21:14 
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Ist zwar eigentlich f√ľr den Skythen und Perser aber ich wollt jetzt keinen neuen Thread starten:

Weiß jemand ob der Holzkern des Goryts aus einem Kurgan von Kertsch irgendwo publiziert oder abgelichtet ist?

lg Stephan


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