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 Betreff des Beitrags: Dimachaerus
BeitragVerfasst: Montag 3. Dezember 2007, 21:56 
Neuling
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Salve Tobias,

mit Interesse habe ich auf der Website von Euch den Teil √ľber Gladiatoren gelesen und bin √ľber Dein Foto als Dimachaerus gestolpert. Du schreibst ja selbst, da√ü dieses eine sehr selten oder schwer nachzuweisende Gattung ist. Junkelmann schreibt ja hierzu, da√ü der Dimachaerus nur zweimal epigraphisch belegt ist. Ein Relief aus Amisos, welches Dimachaeri zeigen k√∂nnte, deutet er D. Faccena und G. Ville folgend als Provocatores. Basiert aber Deine Darstellung des Dimachaerus auf diesem Relief, weil die dort gezeigten Gladiatoren pectorale tragen?

Ich hätte - nur so theoretisch - einen Dimachaerus ähnlich wie einen Scissor eine lorica hamata (Kettenhemd) oder lorica squamata (Schuppenpanzer) tragend vorgestellt, weil er ja eben wie der Scissor auch keinen Schild mehr zur Verteidigung hat und im Endeffekt eine ähnliche Bewaffnung, zwei Schwerter anstatt eines Schwertes und dieses komischen Wiegemesserarmes.

Danke im voraus f√ľr Deine erhellende Antwort,

Spartacus


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 Betreff des Beitrags: Re: Dimachaerus
BeitragVerfasst: Dienstag 4. Dezember 2007, 02:35 
Tesserarius
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In der mir vorliegenden letzten Auflage seines Buches spricht Junkelmann selbst nur eben jenes Relief aus Amisos an, kein Zweites. Sollte sich das in der aktuellen Auflage geändert haben, muß ich zugeben, dass mir dieser zweite Nachweis bislang unbekannt war. Mir nur geläufig ist das seit Anfang des Jahres in der Berichterstattung präsente, aber m.W. noch nicht fachlich publizierte Relief des 1. Jh.v.Chr. welches ebenfalls einen dimachaerus zeigen könnte, dort mit nacktem Oberkörper. Zwischen diesen beiden Reliefs liegt aber eine gehörige Zeitspanne und somit sind die Vergleichsmöglichkeiten eingeschränkt.
Bei aller kritischen Betrachtung blieb f√ľr eine Rekonstruktion, die nicht allein auf Mutma√üungen gest√ľtzt war auch nur jene Abbildung.

Daher wird meine Rekonstruktion dieses Typus nie ohne den Verweis auf seine kritische Lesung und den Mangel an eindeutigen Quellen betreffend der Ausr√ľstung pr√§sentiert.

Der Mangel eines Schildes als Begr√ľndung f√ľr eine st√§rkere und damit auch schwerere K√∂rperpanzerung ist nicht griffig. So k√§mpft auch der retiarius ohne Schild, den einzigen Schutz bietet ein extrem unterschiedlich gestalteter Schutz auf der Schulter, der scheinbar auch ausgelassen werden konnte, und seine Geschwindigkeit.
Auch Gattungen mit kleinen Schilden wie der eques oder der hoplomachus greifen nicht zu einer verstärkten Brustpanzerung.
Was eine solche Rekonstruktion nat√ľrlich nicht v√∂llig ausschlie√üt.

Im Falle des sog. scissor gehe ich noch immer von einer Spielart des secutors aus, als Gegner dementsprechend den Netzk√§mpfer. Bei dieser Helm-Ausr√ľstung-Konstellation ist eine Panzerung der einzig logische Schritt, um der bestehenden, im Fall des secutors namensgebenden Taktik zu einer realen Chance zu verhelfen.

m.W. w√ľrde der sich aus der Doppelbewaffnung ergebende Vorteil des dimachaerus schwinden, wenn er sich mit solch einer schwerer Ausr√ľstung selbst behinderte. Aber hier befinden wir uns bereits im Bereich der eigenen Theorie.

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Wer war froher als Neanth, da er sich Meister von diesem wundervollen
Instrumente sah, wodurch er, ohne das mindeste von der Musik zu
verstehen, der Erbe des Talents eines Orpheus zu sein glaubte! - Lukian

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimachaerus
BeitragVerfasst: Freitag 7. Dezember 2007, 16:53 
Neuling
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Tib. Gabinius hat geschrieben:
Der Mangel eines Schildes als Begr√ľndung f√ľr eine st√§rkere und damit auch schwerere K√∂rperpanzerung ist nicht griffig. So k√§mpft auch der retiarius ohne Schild, den einzigen Schutz bietet ein extrem unterschiedlich gestalteter Schutz auf der Schulter, der scheinbar auch ausgelassen werden konnte, und seine Geschwindigkeit.
Auch Gattungen mit kleinen Schilden wie der eques oder der hoplomachus greifen nicht zu einer verstärkten Brustpanzerung.
Was eine solche Rekonstruktion nat√ľrlich nicht v√∂llig ausschlie√üt.

Im Falle des sog. scissor gehe ich noch immer von einer Spielart des secutors aus, als Gegner dementsprechend den Netzk√§mpfer. Bei dieser Helm-Ausr√ľstung-Konstellation ist eine Panzerung der einzig logische Schritt, um der bestehenden, im Fall des secutors namensgebenden Taktik zu einer realen Chance zu verhelfen.

m.W. w√ľrde der sich aus der Doppelbewaffnung ergebende Vorteil des dimachaerus schwinden, wenn er sich mit solch einer schwerer Ausr√ľstung selbst behinderte. Aber hier befinden wir uns bereits im Bereich der eigenen Theorie.


Im Gegensatz zu Retiarius k√§mpfen sowohl der Scissor als auch der Dimachaerus (wenn man ihn denn tats√§chlich als Zwei-Schwerter-Mann ansieht) mit Kurzwaffen w√§hrend der Retiarius mit seinem Dreizack eine Langwaffe besitzt. Von daher macht f√ľr mich eine st√§rkere Panzerung in Form eines Kettenhemds o. √§. durchaus auch beim Dimachaerus Sinn.


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 Betreff des Beitrags: Re: Dimachaerus
BeitragVerfasst: Freitag 7. Dezember 2007, 17:57 
Tesserarius
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Wie gesagt:
a)
Tib. Gabinius hat geschrieben:
Auch Gattungen mit kleinen Schilden wie der eques oder der hoplomachus greifen nicht zu einer verstärkten Brustpanzerung.

b)
Tib. Gabinius hat geschrieben:
Was eine solche Rekonstruktion nat√ľrlich nicht v√∂llig ausschlie√üt.

c)
Tib. Gabinius hat geschrieben:
Aber hier befinden wir uns bereits im Bereich der eigenen Theorie.


Eine Diskussion hier entbehrt also ohnehin den Grundlagen um irgendeinen der von mir oder von dir angef√ľhrten Theorien die letztg√ľltige Beweiskraft zu geben.
Darum halte ich mich an die einzigen Quellen, die wenigstens möglicherweise einen solchen Typus darstellen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimachaerus
BeitragVerfasst: Mittwoch 8. Juli 2009, 14:26 
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Tib. Gabinius hat geschrieben:
In der mir vorliegenden letzten Auflage seines Buches spricht Junkelmann selbst nur eben jenes Relief aus Amisos an...


Gibt es dieses Relief als Bild im Internet irgendwo zu sehen? W√ľrde mich √ľber einen Link freuen!

Bei diesem Bild hier
http://www.roman-colosseum.info/images/gladiators.jpg
ist ganz Links ein Gladiator zu sehen. Ist es ein Dimachaerus oder ist das rechteckige etwas das Schild eines Thraex?
Ist dieses Bild vollständig?

Dann gibt es zwei Filme die ich gesehen habe: Gladiator (mit Russel Crow) und Held der Gladiatoren. Was haltet ihr von der Ausr√ľstung und Darstellung der beiden Fime? Die Geschichtliche Hintergr√ľnde und das Drumherum mal ausen vor gelassen.
Sind Panzerung, Bewaffnung und (Freizeit-)Kleidung in dieser Art wirklich Vorgekommen? Welche Funde belegen oder wiederlegen dies?

Vielen Dank im Vorraus f√ľr eure Antworten

Arges

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Um die umfassende F√ľlle der Architektur zu verstehen und anzuwenden, ist eine umfassende Allgemeine Bildung n√∂tig.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimachaerus
BeitragVerfasst: Mittwoch 8. Juli 2009, 14:39 
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In der Neuauflage seines Buches hat Junkelmann ein weitere Abbildung gebracht, welche einen Dimachaerus darstllt und seine Kritik an deren Existenz zur√ľck gezogen.
Die Abbildung weist jedoch keinen Brustschirm mehr auf, so dass entweder der von mir hier angesprochene Stein keinen Dimach. zeigt oder es Variationen in der Ausr√ľstung gab. Letzteres w√ľrde zum bisherigen Wissensstand nicht passen.
Auch sollte man einen genaueren Blick auf das vor einigen Jahren entdeckte spätrepublikanische Gladiatorenrelief, gefunden in Händen von Raubgräbern nahe Rom, werfen.
Sobald ich am heimischen Rechner bin kann ich gerne Seitenzahl der Junkelmannbearbeitung nachreichen.

Wenn das Bild online steht ist es mir nicht bekannt. Ggf. lohnt sich ein Blick in die Datenbank Pandora / Prometheus.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimachaerus
BeitragVerfasst: Montag 13. Juli 2009, 22:56 
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Nachdem ich mir das Werk von Junkelmann gekauft habe, habe ich sofort auch betreffende Abbildungen gefunden. Ich pers√∂nlich habe den Schluss gezogen, dass es eine Unterart der Gladiatorengattung war, √§hnlich dem Kampf wo beide K√§mpfer blind waren. Dort hat man ebenfalls eine leicht ge√§nderte Ausr√ľstung benutzt, welche auf den Dimachaerus ebenfalls zutreffen k√∂nnte. In diesem Fall dann der zus√§tzliche Schutz des Armes durch eine (wie auch immer geartete) Panzerung, welche den Schild ersetzt.

Ob diese von mir persönliche These zutrifft oder nicht, so schließt sie aus, dass es sich bei dem Dimachaerus um eine eigene Gattung handelt.

MfG Arges

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimachaerus
BeitragVerfasst: Dienstag 14. Juli 2009, 00:37 
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Zwei Fragen: du kommst zu dem Schluß, weil .... ?
Und zweitens: wenn deine These falsch ist, und er ist keine Untergattung, wie kann dann ausgeschlossen sein, dass er einen eigenen Typ darstellt?

Aber zur Sache: Junkelmann f√ľhrt an, dass die zu sehende Bewaffnung sehr dem des scissor / arbelas √§hnelt.
Wer den Absatz zum secutor und zum arbelas gelesen hat, wird auf die Problematik des contraretiarius gesto√üen sein, und wer sich mit den retiarii besch√§ftigte kennt auch die pontiarii. Bei zweiterem eindeutig, bei ersterem m.E. sehr wahrscheinlich, handelt es sich um Unterarten. Spezialisierte Gladiatoren die nur einen Gegner kennen bzw. spezielle K√§mpfe vorf√ľhren.
Junkelmann f√ľhrt hier nicht mehr aus, ob s.E. der arbelas trotz m√∂glicher eigener Unterarten wie auch def. und von ihm selbst beschrieben wechselnder Ausr√ľstung weiterhin eine Unterart des secutors bleiben soll.

Dies ist f√ľr uns relevant, denn wenn Junkelmann zu recht die √Ąhnlichkeiten in der Ausr√ľstung des wahrscheinlichen Dimachaerus sieht (und dabei die k√ľnstlerisch √úbereinstimmung erstaunlicherweise unbeachtet l√§√üt, es handelt sich wenn nicht um den gleiche K√ľnstler dann zumindest um die gleiche Schule, zumal im gleichen Abschnitt des gleichen Bestattungsfeldes gefunden), und er wie auch du hier eine Unterart sehen, so stellt sich eben genau die Frage nach der Fixierung des eigentlichen Typus.
Von den wenigen Abbildungen des scissor / arbelas zeigt zumindest eines eindeutig einen Helm, den ich hier der Einfachheit halber als Secutorenhelm bezeichnen m√∂chte (Myron, 2. - 3. Jh. heute Louvre, Paris). Ger√ľstet ist er wechselnd scheinbar nur mit einer tunica, mitunter aber scheinbar mit einem Brustpanzer. Beides entspricht nicht dem "typischen" secutor.

Dies k√∂nnte man fortf√ľhren, die Verwandtschaft mit dem secutor ist jedoch alles in allem nur oberfl√§chlich.

Betrachten wir uns nun noch einmal den Dimachaerus. Die Verwandtschaft konstatiert Junkelmann bereits aus der Artemidorusstelle, in der beide in einem Atemzug genannt werden. Anders als Junkelmann vermag ich hierin zwar auch eine scheinbare √Ąhnlichkeit der Kampfstile zu sehen, aber eben auch eine geistige Trennung der beiden, die es in den Augen des antiken Autors n√∂tig machte, beide zu benennen, und nicht den einen Typus, den des arbelas, welcher dann dementsprechend seine Spielarten mit einschlie√üen w√ľrde, zumindest da es nur um Charakteristika geht.
Diese Quellenkritik steht f√ľr mich vor der augenscheinlichen Abbildungsverwandtschaft.
Schauen wir uns dann die Abbildung genauer an, so sehe ich bspw. nicht die f√ľr mich notwendige Verwandtschaft zu dem auf dem myroner Relief dargestellten Helm.
Dar√ľber hinaus, wollen wir die Lesung der in Pompeji gefundenen Inschrift gelten lassen, w√ľrde der Kampf dimachaerus gegen hoplomachus sp√§testens aus dem Rahmen fallen.
Auf besagte Inschrift aus Lyon geht Junkelmann leider in keiner seiner beiden Auflagen ein, sie w√ľrde evtl. weitere Klarheit verschaffen.

Um es letztlich kurz zu machen: die √Ąhnlichkeiten der beiden Steine ergeben sich f√ľr mich aus der Hand des Handwerkers, der √§hnlichen Kampfweise und einer sich sicherlich auch aus praktischen Gr√ľnden √§hnelnden Ausr√ľstung. Wie Junkelmann schreibt: "Der dimachaerus mu√ü also eine dem letzteren (gemeint ist der arbelas) zwar √§hnliche, aber doch eigenst√§ndige Spezialisierung gewesen sein." Nat√ľrlich kann man Junkelmann hierbei so verstehen, dass er Spezialisierung als eine Unterart des arbelas meint, sein erster Satzteil schlie√üt diese Lesart aber aus und l√§√üt nur √ľbrig, dass es sich hierbei also um etwas Eigenst√§ndiges handelt. Einen sicherlich seltenen, weil auch schwer zu meisternden Typ des Gladiators.

Es spricht, bis auf die √Ąhnlichkeit des nunmehr gefundenen Steines wenig f√ľr eine Unterartentheorie zum arbelas. Und die √Ąhnlichkeiten eines einzelnen Steines mit einem in jeder Hinsicht so nahen Exemplar will mir nicht Beweis genug erscheinen.
Ich bin gespannt auf deine Argumente :)

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimachaerus
BeitragVerfasst: Mittwoch 15. Juli 2009, 09:43 
Neuling
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Tib. Gabinius hat geschrieben:
Zwei Fragen: du kommst zu dem Schluss, weil .... ?


In Abbildung 363 (Seite 216) es doch sehr verwirrend ist.
Man k√∂nnte den Helm als einen Sp√§ten Provokatorhelm ansehen. Daf√ľr sprechen die Kammlosigkeit, der Wulst am unteren Ende des Visiers und das geschlossene Visier an sich. Dass es sich um eine Provokatorunterart handeln k√∂nnte, wird unterst√ľtzt durch die Tatsache, dass kurze Beinschienen benutzt werden.

Doch in der Abbildung wird eine Tunika getragen und keinen Armschutz. Allerdings kann man auch vermuten, dass durch den Mangeln an Details die Tunika keine Tunika ist, sondern ein Schuppenpanzer. Das w√ľrde wiederum auf einen Scissor passen. Ebenso w√ľrde der Wahrscheinliche Kampfstil zu eben jenem passen.

Dass allerdings ein Schwert eines Tharex benutzt wird verwirrt noch mehr.

Doch zun√§chst zu einer anderen Passage, die meine Theorie unterst√ľtzt.
In Traumbuch von Artemidorus heist es ja: "Der dimachaerus und der sogenannte arbelas bedeuten eine Giftmischerin oder sonst ein bösartiges und scheußliches Weib" Kann es da nicht als unwahrscheinlich gelten, dass Dimachaerus wie auch der Blinde (oder auch nicht blinde) arbelas/Scissor wegen ihrer Schildlosigkeit zu einem extrem offensiven Kampfstil gezwungen worden sind und so schnell eine Entscheidung erzwungen haben und das es deshalb zu der Bezeichnung von Artemidorus als "Giftmischerin" oder "bösartig/scheußliches Weib" gekommen ist. Denn ein nur Sekunden dauernder Kampf hat kaum Show-Effekt.

Als könnte es auch sein, dass es sich bei dem Dimachaerus um eine Temporäre Gattung handelt, die allerdings mangelnder Überlebensfähigkeit bald bei den professionellen Gladiatoren vernachlässigt wurde und schließlich ganz verschwand.

Was die √Ąhnlichkeit der Fundst√ľcke in dem Relief aus Hierapolis angeht, stimme ich dir mit Ausnahme des Helmes voll und ganz zu. Doch muss beachtet werden, dass es wahrscheinlich aus demselben Geb√§ude stammt. M√∂glicherweise auch aus derselben Wand, was bedeutet, dass im Sinne der Stilsicherheit auch die Art der Steinmetzarbeiten stilistisch identisch sein m√ľssen. Also das es aus derselben Schule oder sogar aus derselben Hand entsprungen ist, halte auch ich f√ľr sehr Wahrscheinlich.

Doch kommt es mir so vor, als wenn viele verschiedene Veranstalter nach verschiedenen neuen Gattungen rufen, diese aber nur selten oder gar nicht vorhanden sind. Und wenn sie vorhanden sind, dann sind sie kaum oder nicht √ľberliefert. Ein Beispiel hierf√ľr ist der hastarius, welcher von Junkelmann in Klammern als einen Hoplomachus bezeichnet wird. Was aber hierbei m√∂glich ist, dass es eine Unterart des Hoplomachus ist, der ebenso wie der Retarius mit einer manica und galerus (oder nur mit einer manica) gesch√ľtzten Variante handelt, welche nur mit hasta (deshalb die namentliche Ableitung, wie beim retarius von seiner rete) und m√∂glicherweise mit Dolch bewaffnet ist. Doch Bildliche Beweise gibt es daf√ľr (glaube ich, da ich nicht s√§mtliche Quellen kenne) nicht.

Also halte ich weiter an meiner Theorie fest, welche sagt, dass der Dimachaerus eine Unterart ist bzw. eine extrem seltene Armaturae, welche allerdings durch ihre Kurzlebigkeit schnell wieder verschwunden ist.

Zu deiner zweiten Frage:
Wie ich ausschlie√üen kann, dass wenn meine These falsch sein sollte, es keine Untergattung ist, dann muss ich gestehen, dass ich das nicht kann. Doch mangels an Quellenmaterial kann man nun mal kaum mehr als Schl√ľsse und Vermutungen anstellen. Doch bin ich pers√∂nlich so flexibel, dass wenn eindeutiges Material gefunden wird, ich mich auch √ľberzeugen lasse :)

Tib. Gabinius hat geschrieben:
Ich bin gespannt auf deine Argumente :)

Das war meine Argumentation, jetzt bin ich auf deine Antwort gespannt :)

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Sinngemäßes Zitat von Vitruv


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 Betreff des Beitrags: Re: Dimachaerus
BeitragVerfasst: Mittwoch 15. Juli 2009, 12:52 
Tesserarius
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Arges hat geschrieben:
In Abbildung 363 (Seite 216) es doch sehr verwirrend ist.
Man könnte den Helm als einen Späten Provokatorhelm ansehen.

Die Klassifizierung des Helmes liefert Junkelmann ja direkt mit. Wenn man √Ąhnlichkeiten bestehender Gattungen sucht, so √§hnelt die Darstellung eher den Helmen der equites. Da aber der gleiche Helm eben von den arbelai getragen wird, und diese sonst den der secutores tragen, bezweifle ich eine solche Verwandtschaft stark. Die √Ąhnlichkeit, wie in meiner vorherigen Antwort ausgef√ľhrt, liegt bei diesen insgesamt eher bei den secutores, und die √Ąhnlichkeit der beiden Darstellungen entfernt diesen dimachaerus vom provocator.

Zitat:
Daf√ľr sprechen die Kammlosigkeit, der Wulst am unteren Ende des Visiers und das geschlossene Visier an sich.

L√§√üt man den Helmaufbau weg, so √§hnelt die Helmdarstellung auch einem greiflosen Thrakerhelm. Besonders nahe an unserer Darstellung w√§re dabei der thraex Drakon und erstaunlicherweise auch der Helm des murmillo Asteropaios, Ephesos, 3. Jh.n. Chr. derzeit in Berlin, Antikensammlung. Bei Junkelmann im Kapitel zu R√ľstung und Waffen. L√§√üt man die Federn des provocator weg, so kann man dies eben auch mit dem Greif oder den Federn der equites machen. Die Krempe selbst ist dabei ein schlechter Diener, der provoator aus Ephesos (vermutlich gleiche Hand wie Drakon & Asteropaios) bspw. besitzt alle typischen Attribute, aber keine Feder, daf√ľr auch keine Krempe.
Die späten Helme der provocatores jedenfalls entfernen sich eher von den auf unserer hier diskutierten Darstellung zu sehenden Variante, verzichten auf die Krempe. (Abb. 320 als weiteres Beispiel, Euprepes.)


Dass es sich um eine Provokatorunterart handeln k√∂nnte, wird unterst√ľtzt durch die Tatsache, dass kurze Beinschienen benutzt werden. W√§hrend die sica bei besagtem Austausch der Helminterpretation auch auf einen thraex als Urheber hindeuten k√∂nnte. Aber wie du selbst ausf√ľhrst, an der Darstellung erscheint einiges ekklektisch und macht es unm√∂glich einen Typus zu definieren, zu dem diese Darstellung im speziellen oder eben als Stellvertreter einer eigenen armatura zu zuordnen ist. Das spricht eben massiv gegen deine Theorie einer Unterart.
Gegen eine Unterart des provocator spricht auch der Verzicht auf eine pectorale. Diese wäre dem dimachaerus mehr als dienlich gewesen, aber auf dem Relief findet sich kein Hinweis darauf, während sie zu den typischen Merkmalen der potentiellen Überart gehört.

Die Darstellung mag nicht die beste sein und gut abgewaschen wirken, das er tunica tr√§gt steht au√üer Frage. In der K√∂rpermitte finden wir eine deutliche Absenkung auf eine tiefere Ebene, die dann gleichm√§√üig weiter verl√§uft und in sanftem Schwung endet. Hierbei kann es sich nicht um einen G√ľrtel handeln da es keine Erhebung gibt und auch keinen Hinweis auf einen Verlust einer solchen, erh√∂hten Ebene. Statt dessen kann dies nur als Bausch gewertet werden.

Zitat:
Doch zun√§chst zu einer anderen Passage, die meine Theorie unterst√ľtzt.
In Traumbuch von Artemidorus heist es ja:
Die Stelle st√ľtzt deine Theorie wie gesagt nicht.
1. Nennt sie beide Arten gleichberechtigt nebeneinander. Weder läßt dies eine dem anderen Unterordnen, noch läßt dies eine von beiden in einem anderen Stellenwert erscheinen.
2. Sicherlich kann, vielleicht sogar mu√ü die Deutung der genannten Gladiatoren auf die Aspekte ihres Kampfes zur√ľckzuf√ľhren sein, das impliziert ja bereits die √Ąhnlichkeit der beiden Typen. Gift, Giftmischerin oder "scheu√üliches Weib" ist dabei aber kein Synonym f√ľr Geschwindigkeit, Schnelligkeit oder einen schnellen Tod, sondern eher f√ľr Hinterlist, Heimt√ľcke, Zauberei, Verbotenes und vielleicht sogar Ehrlosigkeit. Denn Gift, das ist auch in der Antike bekannt, wirkt keineswegs immer schnell und kann mitunter √ľber Monate verabreicht werden, bevor die Wirkung einsetzt. Eine der bekanntesten und "beliebtesten" Giftmischergeschichten ist das Ende des Herakles, welcher unendliche Quallen litt und zu Tode gebracht werden mu√üte.
Auch Claudius fiel, so er wirklich vergiftet wurde, nicht einfach um, sondern brauchte noch eine relativ lange Zeit zum sterben.
Das Gift der ber√ľhmtesten Giftmischerin der r√∂mischen Geschichte, Lucusta wagte Nero nicht zu nehmen, sondern t√∂tete sich lieber gewaltsam.
Deine Interpretation verbietet sich also.
Zur Ehrlosigkeit pa√üt √ľbrigens die mangelnde Demonstration von virtus, indem die M√§nner entweder tunicata oder loricata gezeigt werden, niemals mit freier Brust.

Zitat:
Als könnte es auch sein, dass es sich bei dem Dimachaerus um eine Temporäre Gattung handelt, die allerdings mangelnder Überlebensfähigkeit bald bei den professionellen Gladiatoren vernachlässigt wurde und schließlich ganz verschwand.

Das ist im Grunde m√∂glich, die angesprochenen Erw√§hnungen aus Lyon und Pompeji wie auch die m√∂gliche Interpretation des urspr√ľnglichen Steines dieser Diskussion w√ľrden dagegen sprechen. Sicherheit ist hier nicht vor weiteren Funden herzustellen.

Zitat:
Was die √Ąhnlichkeit der Fundst√ľcke in dem Relief aus Hierapolis angeht, stimme ich dir mit Ausnahme des Helmes voll und ganz zu.

Das erschlie√üt sich mir nicht. Die √Ąhnlichkeiten sind frapierend gro√ü, warum soll also ein sich gleichender Aspekt ausgenommen werden von den anderen sich gleichenden Aspekten?

Zitat:
Doch kommt es mir so vor, als wenn viele verschiedene Veranstalter nach verschiedenen neuen Gattungen rufen, diese aber nur selten oder gar nicht vorhanden sind.

Das glaube ich aus verschiedenen Gr√ľnden nicht.
1. Werden l√§ngst nicht alle nachgewiesenen und sicheren Gattungen bedient bzw. von allen bedient. So ist bspw. der crupellarius nur ein einziges Mal bisher rekonstruiert worden und tritt nur bei einer Gruppe als Vorf√ľhrung auf.
2. Die Vorf√ľhrung von Junkelmann ist bereits jetzt recht lang, wenn er alle Gattungen die er in der Reko demonstrieren kann auftreten l√§√üt. Vom reinen Eventcharakter ist dies also ausreichend.
3. Junkelmann hat seine Arbeit als Wissenschaftler begonnen und fortgef√ľhrt. Ginge es ihm um Schaffung darstellerischer Welten h√§tte er weit mehr Mittel zur Verf√ľgung, als kritische √úberlegungen zu bestimmten Funden.

Gerade die angesprochene Namensgebung findet sich ja auch bei der Neuauflage in wissenschaftlich diskutierter Weise immer mal wieder. Zwar ordnet er auch mitunter so zu, dass man dar√ľber zu diskutieren vermag, an anderer Stelle l√§√üt er aber auch durchaus nur Kollegen zu Wort kommen und l√§√üt selbst offen oder √§u√üert seine Meinung als solche erkennbar (bspw. contraretiarius).

Zitat:
Also halte ich weiter an meiner Theorie fest, welche sagt, dass der Dimachaerus eine Unterart ist bzw. eine extrem seltene Armaturae, welche allerdings durch ihre Kurzlebigkeit schnell wieder verschwunden ist.

Dem Stichwort "selten" vermag ich zu zustimmen, dem Rest stehe ich aus den oben abgeleiteten Argumenten skeptisch gegen√ľber. Die Kurzlebigkeit w√§re √ľber besagte Randhinweise zu kl√§ren.

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