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BeitragVerfasst: Mittwoch 26. August 2009, 10:07 
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Bei uns gestern in der Emsdettener Volkszeitung:
(man beachte das "Schuhwerk" - Gummisandalen...)

In Kettenhemd und Tunika: LegionÀr im Selbstversuch
Von Gerd Korinthenberg, dpa am 24. August 2009 17:14 Uhr

Schwertschwingende Germanen waren es wohl vor allem, die Roms Legionen vor zwei Jahrtausenden das Leben schwer gemacht haben.

Selbstversuch in Römer-RĂŒstung
Wer heute im Selbstversuch in die exakt rekonstruierte RĂŒstung eines römischen LegionĂ€rs steigt, um dem damaligen LebensgefĂŒhl nachzuspĂŒren, ist mit Erfahrungen ganz anderer Art konfrontiert. Der grimmig blickende Dackel an der Leine der wackeren Wanderin, der die blechklappernden Gestalten aus lĂ€ngst vergangenen Tagen anknurrt, gehört dabei zu den amĂŒsanteren Ăƒâ€šĂ‚Â«MarschverzögerungenĂƒâ€šĂ‚Â». Und wohin bitte mit dem Handy, denn die Tunika hat keine Taschen?

FĂŒnf Kilometer durch Feld, Wald und Wiesen nördlich der Lippe nahe Haltern sollte es als TeilstĂŒck des Schicksalsweges gehen, den die knapp 20 000 Soldaten des Varus im Sommer des Jahres 9 n. Chr. in ihren blutigen Untergang marschiert sind. Schon das Anlegen der Armierungen - unter den Augen Dutzender neugieriger Besucher des LWL-Römermuseums von Haltern mit seiner aktuellen Sonderschau zum Varus-JubilĂ€um - erfordert ungeahntes Geschick. Auf den Weg schickt Museumschef Rudolf Asskamp glĂŒcklicherweise den Ăƒâ€šĂ‚Â«miles expeditusĂƒâ€šĂ‚Â», den LegionĂ€r mit Marscherleichterung, der sein BĂŒndel mit zusĂ€tzlich 20-Kilo-GepĂ€ck dieses Mal nicht auf dem eigenen RĂŒcken tragen muss. Ăƒâ€šĂ‚Â«Insgesamt lag die Tages-Marschleistung einer Legion bei etwa 18 Kilometern und notfalls mehrĂƒâ€šĂ‚Â», sagt der Halterner Wissenschaftler.

Ein 10-Kilo-Kettenhemd streift man nicht so einfach ĂŒber die stilechte rote Tunika wie ein modernes T-Shirt. Am besten ist eine Art Kopfsprungtechnik in die Wehr aus ungezĂ€hlten Eisenringen, will man sich nicht den Hinterkopf schmerzhaft raspeln. Rasch den MilitĂ€rgĂŒrtel mit klirrenden Zierriemen umgeschnallt und die eiserne Wurf-Lanze pilum in die Hand. Mit Schild in derbem Lederfutteral, Helm und Schwert am Schulterriemen hat der LegionĂ€r auf Probe nun rund 30 Kilo zu tragen. Die nah am Körper anliegende Last verteilt sich gut austariert ĂŒberraschend mĂŒhelos. Erstaunlich beweglich das lange Kettenhemd, das auch am warmen Sommertag den bald rinnenden Soldaten-Schweiß deutlich kĂŒhlt.

Schlammlöcher und WasserpfĂŒtzen auf dem historischen westfĂ€lischen Römerweg gilt es entschlossen zu durchqueren, denn welcher LegionĂ€r hĂ€tte in Marschformation sandalenschonend an den Wegesrand ausweichen können. Hier lauern zudem böse Brennnesseln auf die nackten Waden der Marschierer. Der normalerweise vor der Brust getragene und nur bei Gefahr aufgestĂŒlpte Helm entwickelt allerdings eigene TĂŒcken: Im Klirren und Klappern der Waffen, beim ledernen Knirschen der Schildgurte ist unter dem Helm kaum mehr das eigene Wort zu verstehen. Wie bitte konnten antike TruppenfĂŒhrer die 6000 Soldaten ihrer Legion befehligen? Ăƒâ€šĂ‚Â«Den zahlreichen HornblĂ€sern kam sicher eine ganz wichtige Funktion bei der Kommando-Übermittlung zuĂƒâ€šĂ‚Â», sagt Museumschef Asskamp.

Beim Selbstversuch als LegionĂ€r 2009 ergab der Helm mit seinen breiten Wangenklappen allerdings auch einen guten Schutz gegen fotoversessene SpaziergĂ€nger, grinsende Rad-Touristen oder westfĂ€lisch stur starrende Bauern. Nach einer guten Stunde Marsch meldet sich dann doch - vom schmerzenden Fußknöchel bis zur von Schildriemen maltrĂ€tierten Schulter - der verweichlichte Körper des Stubenhockers der Jetztzeit. Schon leichte Steigungen am Lippe-Ufer werden zunehmend zur Last, die Hand verkrampft sich um den schweren Wurfspeer.

Die kampfbereite Überquerung einer vielbefahrenen Bundesstraße nördlich Datteln wird dann doch noch zur Mutprobe: Das Gesichtsfeld deutlich eingeschrĂ€nkt, der Ăƒâ€šĂ‚Â«beschwerteĂƒâ€šĂ‚Â» Kopf ungewohnt zu wenden, die GerĂ€usche unter dem Helm gedĂ€mpft. So setzt der moderne LegionĂ€r schließlich erfolgreich auf die RĂŒcksicht der nicht wenig verblĂŒfften Autoraser vor querenden Römern. Wie konnte wohl der Kamerad von damals ein Überblick im KampfgetĂŒmmel behalten? Ganz entschieden Ăƒâ€šĂ‚Â«nach vornĂƒâ€šĂ‚Â» sei eben auch die Strategie der kĂ€mpfenden LegionĂ€re gewesen, analysiert Römer-Experte Asskamp die geglĂŒckte Überquerung der Bundesstraße.

Ein Soldatenscherz aus Römertagen wird am Ende des Marsches gut verstĂ€ndlich: Gern nannten sich die wackeren und schwer schleppenden LegionĂ€re selbstironisch Ăƒâ€šĂ‚Â«muliĂƒâ€šĂ‚Â» - Ăƒâ€šĂ‚Â«MaultiereĂƒâ€šĂ‚Â» eben fĂŒr den fernen Geschichtsbuch-Ruhm römischer CĂ€saren.

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