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 Betreff des Beitrags: Griechische Kolonien Unteritaliens
BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2014, 01:23 
Neuling
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SALVETE Griechen,

eigentlich bin ich Römerdarsteller, mit Reenact-Namen LVCIVS MARTIVS SCAEVA, und aktives Mitglied bei den POPVLARES in Augsburg und bei den NVMERVS BRITTONVM in Welzheim. Meine Darstellung ist vom 3. Jhd. bis zur SpĂ€tantike ausgelegt. DarĂŒber hinaus interessiert mich alles, was sich unmittelbar vor Entstehung der römischen Republik auf der Apenin-Halbinsel abspielte. Das sind die nördlichen Nachbarn Roms, die Etrusker, und im SĂŒden die Samniten und andere italische StĂ€mme und natĂŒrlich die griechischen Kolonien. Nach einem Besuch in Paestum war ich so begeistert selbst von den Überbleibseln der 3 großen Tempel, dass die Idee zu einem echten Reenactment vor Ort aufkam. Dazu brauche ich aber einigen Rat. Wie sah so ein Hoplit in der Region SĂŒditalien aus ? Hab zwar einen Korinther-Helm, Pilos, phrygischen Helm, eine (wahrscheinlich zu kurze) griechische Lanze, einen Linothorax, einen griechischen Brustpanzer, einen Schild (mit dem allbekannten Spartanerzeichen) und einen "leinenen" Chiton, eine weiße kurze Subarmalis mit Pteryges, sowie griechische Sandalen. Die Abbildungen der Serien Warrior, Man at arms und Karfunkel zeigen keine Darstellungen der Kolonien Euböas in Kalabrien, oder der StĂ€dte Tarent, Metaponte, Kroton, Sibaris und anderer der Magna Graecia. Wer kann helfen ? :?


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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2014, 10:36 
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Xerete schön zu sehen das sich ein Römer fĂŒr die Hellenische Welt interessiert. Ein Foto von deiner AusrĂŒstung WĂ€hre sicher interessant zu sehen. Jeder unserer Mitglieder der Hetairoi hat mehrere Darstellungen aus den Verschiedensten Epochen. Deine Epoche also Etrusker und Samiten ist auch bei uns anzutreffen. Ich selber habe die Archaik und die Klassik ausgesucht deshalb denke ich das dir die anderen Mitglieder der Hetairoi besser helfen könnten. Im Forum haben wir einige Mitglieder die wunderschöne und Detaillierte Darstellungen haben. Das wĂ hre zu einem Phrynios und Thana sowie Thraker und Strategos sie werden sich hier sicher bald auch outen oder du schreibst sie an.
Hoffe dir etwas geholfen zuhaben. XERETE ATHINEOS


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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2014, 13:15 
Hetairoi
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Have Luci,
Schön, das Du dich fĂŒr Italien abseits der Römer interessierst, und ein herzliches Willkommen noch dazu!
Bei der Darstellung von Etruskern, Samniten und Kolonialgriechen ist die Zeitstellung schon ausschlaggebend. Vor allem da Paestum um 600 v.Chr. von Griechen gegrĂŒndet und ca. 200 Jahre spĂ€ter von Lukanern eroberst wurde. Alleine in diesem Zeitraum ist schon viel Entwicklung in Sachen AusrĂŒstung und Kleidung möglich.

Generell kann man wohl sagen, das die Hopliten der Kolonialgriechen ihren Kollegen aus dem Mutterland sehr stark Àhnelten bzw. kaum Unterschiede aufwiesen (mal von lokalen Schildmotiven und, kleineren Details abgesehen).
Etwas anderes ist das dann schon bei den Etruskern und Samniten.
Gerade die Vermischung von einheimischen und importierten Elementen und der daraus entstandene typisch italische Stil machen den Stiefel daher fĂŒr mich auch so faszinierend.
Aber bevor ich mich in den endlosen Weiten spannender Informationen verliere, wĂŒrde ich dich bitten vielleicht gezielte Fragen zu AusrĂŒstungsteilen zu stellen, damit wir gezielt Hilfestellung geben können. Fotos Deiner bisherigen AusrĂŒstung wĂ€ren auch toll, dann könnten wir auch Tipps zur AufrĂŒstung geben (z.B. sollte eine Hoplitenlanze (Dory) zwischen 2,5 und 3 Metern lang sein).

Hoffe Dir bis jetzt geholfen zu haben und freue mich auf ein sicherlich noch spannende Diskussion.

Oulae
Gaiis Pontiis (Samnit 4. Jh. v. Chr) bzw. Ariston (spÀtklassischer Athener)

_________________
Strategos a.k.a Willi Miesen a.k.a. Ariston

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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2014, 19:23 
Neuling
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Salvete Strategos und Anthineos,
schön, so schnell von Euch zu hören zur Beantwortung meiner Fragen. Ein Zeichen dafĂŒr, dass das Forum wirklich lebt. Nun, ich habe zwar meine ganzen Sachen schon fĂŒr den Winter eingelagert. Daher muss eine Modenschau entfallen, so dass ich hier nur meine SammelstĂŒcke aufliste, die ich zur Darstellung von Hallstatt-Kelten, Samniten, Etrusker und Kolonialgriechen vorgesehen habe. Einige Teile kann man sicher fĂŒr mehrere Darstellungen verwenden. So habe ich beispielsweise den Linothorax auch auf den Grabmalereien von Tarquinia gesehen, und zwischen Etruskern und Kelten dĂŒrfte es Handelskontakte gegeben haben. Von der zeitlichen Zuordnung sieht das freilich so aus: Villanova-Kultur 1000-500 v.Chr., Hallstattzeit 800-450 v.Chr., griechische Kolonien etwa 600-272 v.Chr., Etrusker 800-100 v.Chr., Samniten 500 v.Chr.-82 v.Chr. . Die exakten Jahreszahlen gehen auf die endgĂŒltigen Siege Roms ĂŒber diese Völker zurĂŒck. All dies ausrĂŒstungstechnisch mit dem vorhandenen bzw. modifizierbaren Material abzudecken, ist mein Ziel. Es geht mir dabei ausschließlich um den militĂ€rischen Bereich, auch wenn ich weiß, dass es insbes. bei den Griechen viel viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten gibt. Aber das wĂŒrde den Rahmen meiner Möglichkeiten sprengen, da meine Hauptdarstellung nun einmal die Zeit von der römischen Reichskrise bis zum Untergang des weströmischen Reiches ist.


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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2014, 19:31 
Neuling
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Das GrĂ¶ĂŸte wĂ€re, eine bestimmte Region Italiens nach Epoche zu befahren, um dann vor Ort und vor authentischer Kulisse das Reenactment durchzufĂŒhren. Eine entsprechende Fotodokumentation wĂŒrde sicher ihresgleichen suchen. Außerdem sind die geschichtstrĂ€chtigen Orte von Deutschland aus gar nicht so weit entfernt, so dass man sie mit dem Pkw in 1-2 Tagen erreichen könnte.


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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2014, 19:34 
Neuling
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Und hier die nÀchsten Bilder. Zugegeben, es geht etwas durcheinander, so wie ich es eben gefunden habe in meinem Arsenal.


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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2014, 20:08 
Neuling
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So, dass sind jetzt die letzten 3 Bilder. Ich hoffe, Ihr werdet mir jetzt nicht sagen, dass ich alles vergessen kann, und noch mal von vorn beginnen muss. War schon echt langwierig, die ganzen Sachen aufzutreiben, aus Deutschland, Tschechien, Frankreich und Italien. Jetzt geht es darum, das Beste daraus zu machen. Hoffentlich ĂŒberstehen die Sachen die KĂ€lteperiode, denn einiges musste ich aus PlatzgrĂŒnden in einer unbeheizten aber gut isolierten Gartenlaube lagern.
Was ich schon herausgefunden habe: FĂŒr die Kolonialgriechen auf talischem Boden werde ich wohl weder den korinthischen noch den phrygischen Helm noch einen Pilos verwenden können, sondern den chalkidikischen Helm. Viele der StadtgrĂŒndungen in SĂŒditalien gehen auf Euböa und die Stadt Chalkis zurĂŒck. Der Helm ist aber leider nicht mehr lieferbar bei Armae, und ihn in USA zu bestellen hab ich wegen der hohen Einfuhrzölle ehrlich gesagt keine Lust. Vielleicht kennt Ihr jemanden, der so einen Helm loswerden will ?
Vielleicht sieht man sich ja 2015 bei diversen Veranstaltungen. Wir Römer sind auf jeden Fall in Xanthen (1./2.5.), Augsburg (27./28.6.) und Weißenburg (26./27.9.) zugegen.

VALE,
LVCIVS MARTIVS SCAEVA


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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2014, 22:01 
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Ja das sieht doch schon mal nach etwas aus womit man was machen kann :D . Es ist auf jedenfall besser als meine Anfangszeit. Jetzt ohne dich zu kritisieren oder irgendetwas zu persönlich zu nehmen.
Sag ich folgendes. Meiner Erachtens hast du im grossen ein gutes Basis packet bis auf die arm und beinschienen von der comicverfilmung.300 das erste bild. Der bronze Schild wĂčrde mich interessieren welchen Durchmesser er hat und welches gewicht. Zudem meine ich zu sehen das du da einen Glockenpanzer stehen hast oder? Wie gesagt Strategos z.b ist hier wirklich besser in diesem wissen aber ich pers. Bin eigentlich sehr positiv ĂŒberrascht von deiner AusrĂŒstung und bin der Meinung das du soooo viel nicht mehr kaufen musst. Du hast eine Kopis beinschienen den einen oder anderen helm 2 aspis.die kopis sowie xiphos und Speer spitzen sind doch in Ordnung. :wink: prima sache


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BeitragVerfasst: Sonntag 28. Dezember 2014, 22:51 
Neuling
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SALVE Athineos,

danke fĂŒr Deine aufbauenden Worte. Das wird mich bestĂ€rken, an den Darstellungsthemen weiter zu arbeiten, um das ein e oder andere zu verbessern.
Zu Deiner Frage: Der Schild ist im Durchmesser 92 cm, und gehört zur Villanova-Kollektion von Armae. Kam leider schon etwas zerbeult an trotz guter Verpackung, da nur ganz dĂŒnnes Bronzeblech. Ich dachte erst es sei ein Scherz, oder die haben ihn gerade ausgebuddelt, etwas sauber gemacht und auf die Reise geschickt. Fast hĂ€tte ich dann noch das Vorderteil des Villanova-Brustpanzers weggeschmissen, welches ebenfalls mit der Lieferung kam, sozusagen als EntschĂ€digung fĂŒr die Beulen. Das war am Rand des Pakets mit verpackt, dass ich erst dachte, es sei Packmaterial zur Stabilisierung. Hab dann mit einem Gummihammer die Beulen wieder ausgebĂŒgelt, und das Bild zeigt nun das Ergebnis. Ich hab da einen Geschichtsexperten in meiner Gegend. Der sagte, dass diese Schilde so dĂŒnn sind hat schon seine historische Richtigkeit. Die seien ja auch nur Prunkschilde, und nicht fĂŒr den Kampf gedacht. Da nehme man lieber einen Holzschild, der ist leicht und massiv zugleich und bietet guten Schutz. Zum Beispiel wĂ€re so ein keltischer Schild wie im Bild denkbar. Ob es schwere Bronze- oder Eisenschilde zu dieser Zeit gab kann ich nicht beurteilen. Aber wenn es sie gab, waren sie sicher sehr schwer und unhandlich und noch dazu extrem teuer. Weiß nicht, ob die alten Griechen, Etrusker, Kelten oder Samniten sich sowas leisten wollten.
Der Glockenpanzer war als griechisch ausgeschrieben. Ich nutze ihn aber fĂŒr die Hallstatt-Darstellung, da genau solche Panzer in GrĂ€bern der Hallstatt-Kultur gefunden wurden, natĂŒrlich aber wieder nur bei der östlichen Hallstattkultur und ebenda bei der Kriegerelite.

VALE


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BeitragVerfasst: Montag 29. Dezember 2014, 02:13 
Hetairoi
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Na das ist ja schon ein ganz beachtlicher Grundstock, aber dazu spÀter.
NatĂŒrlich sind auch meine BeitrĂ€ge und Kritiken nie persönlich zu nehmen, sondern sollen Dir wo möglich als Hilfestellung dienen.
ZunÀchst mal zu Deinen Begleittexten:

MilitÀrische Darstellung ist bei vielen (auch bei mir) der Hauptzweig, die Umsetzung ziviler Interessen (bei mir unter anderem die ErnÀhrung im antiken Griecheland und Italien) kommen meist etwas spÀter dazu, sozusagen von selbst.

Zeitstellung:
Die Zeiten fĂŒr die einzelnen Völker sind nett, aber: Zeitspannen zwischen 350 und 700 Jahren abzudecken ist extrem schwierig, in 700 Jahren Etrusker z.B. hat sich extrem viel getan. Mein Tipp wĂ€re sich fĂŒr die einzelnen Völker kleinere ZeitrĂ€ume auszusuchen wie z.B. Mitte 5. Jh. v. Chr. fĂŒr einen Griechen, und anhand von Funden und zeitgenössischen Darstellungen eine beispielhafte Darstellung fĂŒr die jeweilige Kultur (zu diesem Zeitpunkt) zusammen zu tragen. Bei zu großen ZeitrĂ€umen wird es zu ungenau, als wĂŒrde man (ĂŒberspitzt gesagt) einem Panzergrenadier der Bundeswehr einen napoleonischen Tschako aufsetzen.
Hier gilt wirklich: weniger ist mehr. Die zeitliche BeschrĂ€nkung hilft Dir zum einen, vernĂŒnftige Bild- und Fundquellen zu finden und zum anderen schont esZeit und Ressourcen fĂŒr Deine PrimĂ€repoche.

Helme und ihre Terminologie:
Vorsicht! Die Bezeichnungen fĂŒr griechische Helme (und zwar alle) sind eine neuzeitliche Erfindung! Der chalkidische Helm wurde erstmals durch FurtwĂ€ngler 1890 so benannt, und das auch nur weil er hĂ€ufig auf Vasen von der Halbinsel Chalkidike dargestellt ist. Die Verbreitung griechischer Helme beruht eher auf zeitliche Mode als auf Herkunft. Korinthische Helme tauchen ĂŒberall im griechischen Einflussgebiet auf, bis dieser durch verbesserte oder neue Modelle verdrĂ€ngt wird. Je nach Region bleibt er lĂ€nger oder kĂŒrzer in Gebrauch bis er vollkommen durch modernere Typen ersetzt wird. Das schließt Italien (egal welche Völker) ein. Auch hier ausschlaggebend wann genau dein Hoplit angesiedelt ist (600 v. Chr.: sicherlich archaischer Korinther, 500 v.Chr.: langsame VerdrĂ€ngung durch attische und chalkidische Typen, 450-400 attische Typen und Pilos etc.).

Zur AusrĂŒstung:

- Ich stimme Athineos in seine Punkten zu, guter Grundstock, bis auf die 300 Arm- und Beinschienen leider fĂŒr Reenactment unbrauchbar.

- Das Villanova Zeug sieht brauchbar aus, die Ähnlichkeit zu Funden aus der zweiten HĂ€lfte 8. Jh. v. Chr ist auf jedenfall da. Macht soweit ich weiß auch noch keiner nördlich der Alpen.

- Muskelpanzer und Phryger sehen nach bronzierten Stahlteilen aus, zumindest optisch ganz nett.

- Hallstatt Kelte: Helm und Glockenpanzer sehen gut aus. Ähnliche Helme wurden auch in Norditalien gefunden, Handelbeziehung hat es ja definitiv gegeben. Glockenpanzer sieht auch gut aus, wĂŒrde zu einem archaischem Etrusker oder Griechen durchaus passen.

- Bronzewaffen sehen gut aus, das mittlere Antennenschwert passt Prima zur Villanova Kultur

- griechische AusrĂŒstung: Aspis scheint die Ă€ltere Repro zu sein, die noch nicht so tief ist wie Aspides eigentlich sein sollten, aber schonmal ein Anfang. Das Schwert Ă€hnelt zwar einer griechischen Kopis, ist aber was Klingenform, Griff und Beimesser angeht typisch iberisch und weder italisch noch griechisch (Osprey hat das im Band ĂŒber tarentinische Reiter auch durcheinander geworfen), ist fĂŒr den Anfang schonmal etwas (hab davon auch noch eins hier liegen). Die Beinschienen sehen nach den Ă€lteren Deepeka Produktionen aus, bedingt tauglich, können aber wahrscheinlich umgebaut werden.

- Samnit: Der Helm ist hellenistisch und passt eher zu den Armeen der Nachfolger Alexanders des Großen, fĂŒr Samniten wĂŒrde ich ihn mit Hinblick auf Funde und zeitgenössische Darstellungen nicht nehmen. Dreischeibenpanzer und GĂŒrtel, leider aus Stahlblech, die Originale sind alle aus Bronze. Dreischeibenpanzer sind gerade was ihre GrĂ¶ĂŸe angeht nicht wirklich trivial, die Repros sind meist viel zu groß (und schrĂ€nken dann die Bewegung ein, was gerade dieser Panzertyp verhindern sollte).

- Linothorax: Sieht solide und vernĂŒnftig aus, vielleicht hier und da noch etwas verzierung aufmalen, aber die Substanz sieht soweit ganz gut aus. Ist tatsĂ€chlich fĂŒr die mittleren bis spĂ€ten Etrusker gut nachweisbar auf Fresken und Terrakottafiguren.

- Korinther: Messing? Stahl? Habe mit so einem aus Messing den Einstieg in die griechische Klassik gemacht, war 2009 einer von zwei im Handel befindlichen Korinthermodellen. Ist aber nur lose auf einem adriatischen Teil basiert, also wieder fĂŒr Griechen eigentlich nicht verwendbar, aber ein nettes Basismodell fĂŒr den Anfang.

- Schwerter: Das Linke ist eine schöne Repro der Alfedenaklinge, die mitgelieferte Scheide sollte aber ĂŒberarbeitet werden (am Mundblech hat das original keine Ringe an den Seiten). Das rechte muss tatsĂ€chlich was Griff und Scheide angeht ĂŒberarbeitet werden

- Schuhe: Die hellen Sandalen sehen ganz gut aus, die Stiefel scheinen auch in Ordnung zu sein. Die dunklen Sandalen sind ein wenig HollywoodmĂ€ĂŸig mit den ganzen Nieten.

- Speer: Kann man was mit machen. Die Eiserner Spitze wĂŒrde ich gegen eine kleinere Austauchen, und fĂŒr die SchĂ€fte nach Eschenholz Ausschau halten, die mitgelieferten (indisches Rosenholz) produzieren sehr leicht sehr unangenehme Splitter.

Zum Schluss noch zum Schild:

Das historische Bleche (auch Villanova Schilde) dĂŒnn sind ist tatsĂ€chlich korrekt. Aber: das sind ausgeschmiedete Bleche die darĂŒber hinaus mit Treibarbeiten versehen sind, das macht sie extrem hart und steif. FĂŒr die Repros werden leider gewalzte Bleche verwendet die viel weicher sind. Gerade aus Italien haben wir auch erhaltene Blechfronten von spĂ€teren Hoplitenschilden die bei wenigen auch noch Reste dĂŒnner Holzstreifen aufweisen. Es gab sie also durchaus, auch wenn wir nicht genau wissen wie hĂ€ufig. Gerade was Villanova angeht sind die Befunde fĂŒr andere Schilde dĂŒnn. Schwere Bronze oder gar Eisenschilde wird es nicht gegeben haben.
Der von Dir gezeigte keltische Schild geht wohl auf italische Schilde zurĂŒck (wohlmöglich Urahnen der Scuta) und hat spĂ€ter sogar seinen Weg nach Griechenland gefunden (Stichwort Thyreophoroi)

So, entschuldige den Riesentext, wie gesagt ich hoffe Dir damit etwas weiterhelfen zu können.

_________________
Strategos a.k.a Willi Miesen a.k.a. Ariston

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BeitragVerfasst: Montag 29. Dezember 2014, 23:07 
Neuling
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SALVE Strategos,

Respekt, diese FĂŒlle an Wissen ĂŒber gleich mehrere Kulturkreise. :-o Da muss ich noch etliches lesen. O.k., also Hallstatt ist soweit komplett. Beim Bronzeschwert bin ich mir noch unschlĂŒssig, ob ich mir noch eine lange hölzerne Scheide mit einfachen Bandelier und Trageringen zulege. Ist ziemlich schwer das Teil, und ob es da mit Schwertscheide besser ist ?
Beim Samniten hast Du Recht. Das ist da wohl eher ein Offizier in karthagischen Diensten oder der Alexander-Nachfolge-Statten. Hab aber bald auch einen Bronze-Dreischeibenpanzer und einen zugehörigen echten Samnitenhelm. Bei den alten Griechen gibts also gehörigen Aufbesserungsbedarf. Die Bronzeschicht auf Stahl hast Du gut erkannt, wird sich irgendwann mal abreiben, dann sieht es nicht mehr so gut aus. Aber bis dahin bin ich in Rente. Beim Korinther von 5.-4. Jhd. (2. Entwicklungsstufe) hab ich jetzt den vereinfachten VorgĂ€nger gefunden (6.-5. Jhd. v. Chr.). Aber ich tendiere auch nach wie vor zum Chalkidikischen Modell. Ist natĂŒrlich logischer: Nicht jede Insel gleiches Helmmodell ĂŒber Jahrhunderte, sondern jede Insel aktuelles Helmmodell der entsprechenden Zeitspanne !
Da fĂ€llt die Entscheidung fĂŒr mich schwer. Einerseits fasziniert das Alte und UrsprĂŒngliche, andererseits will ich nicht den nahen zeitlichen Bezug zu den Römern verlieren. Also wird es wahrscheinlich eine Darstellung von Beginn der Kolonisierung im 6. Jhd. und eine vom Ende der Magna Graecia in SĂŒditalien.
Bei den Sandalen und den Beinschienen 300 ! hast Du vollkommen Recht. Die kann ich ja auch fĂŒr unsere GladiatorenkĂ€mpfe verwenden. Da geht es nicht so sehr um AuthenizitĂ€t sondern v.a. um ZweckmĂ€ĂŸigkeit. Allerdings - ob die Beinschienen zweckmĂ€ĂŸig sind muss erst noch der Praxistest beweisen. Bei den Armschienen sieht es schon schwieriger aus. Kennst Du einen Ersatz aus Messing, der nicht so aussieht wie 300 ? Dann bitte Shopadresse, damit ich mir den besorgen kann.
An der Schwertscheide will ich derzeit nicht rumbasteln. Ich schau mir erst die historische Vorlage an, denn irgendwo mĂŒssen auch beim Alfedena-Schwert Trageringe ran oder ? Beim Schild plane ich, den innerseitigen Lederriemen durch einen Messing-Porax zu ersetzen. Das mit der Falcata hĂ€tte ich mir denken können. Aber bei irgend einem Reenact-HĂ€ndler erinnere ich mich gelesen zu haben, diese Art sei nicht nur auf der iberischen Halbinsel sondern im ganzen mediterranen Raum anzutreffen gewesen.
Alles in allem sehr zweckdienliche Hinweise. Erst einmal Danke dafĂŒr. Vielleicht ergibt sich ja einmal ein Treffen bei einer Veranstaltung. Vorausgesetzt die Veranstaltungskalender Eurer Interessengemeinschaft und meines Vereins werden immer aktualisiert.

VALE


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BeitragVerfasst: Dienstag 30. Dezember 2014, 12:43 
Hetairoi
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Salve Luci!

Erstmal auch von meiner Seite ein herzliches Willkommen. Schön, dass es noch andere Interessenten an altitalischen Darstellungen gibt.

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann peilst Du also eine Darstellung um ca. 600 - 500 v. Chr. (z. B. als Etrusker oder Grieche) und eine um ca. 400 - 300 v. Chr. (Samnite) an.
Zu erster Darstellung hast Du schon einiges an Ausgangsmaterial: Glockenpanzer; Linothorax geht gegen Ende dieser Epoche auch schon; Alfedena-Schwert. Die Scheide des Alfedena-Schwertes hatte wirklich keine Trageringe, sondern wurde einfach durch die Öffnung des Schwerttrageriemens gesteckt, wie man es auch oft auf griechischen Darstellungen sehen kann.
Ein archaischer Korinther (wie ihn z.B. Athineos trĂ€gt) wĂ€re hier der Helmtyp erster Wahl, daneben gingen auch noch altitalische Krempenhelme (fĂŒr Etrusker u.Ă€.). Chalkidische Helme kommen in dieser Zeit zwar allmĂ€hlich auf, aber sei vorsichtig: Ein Exemplar, welches in der Regel zum Verkauf angeboten wird, mit feststehenden WangenstĂŒcken, die mit Voluten verziert sind, datiert wohl ins 4. Jh. v. Chr. und wĂ€re damit nicht passend.

Zum Samniten ist zu sagen, dass hier im Grunde genommen der BronzegĂŒrtel das wichtigste Utensil ist; alles andere ist optional. Du kannst z.B. keinen Panzer tragen, es gehen aber auch Dreischeibenpanzer, runde oder quadratische Pektorale (aber nicht mehr vom Villanova-Typ), Linothorax (selten, aber kam durchaus vor), Muskelpanzer (allerdings ohne hellenistische SchulterstĂŒcke). An Helmen gibt es vor allen Dingen den attischen Typ in verschiedenen AusfĂŒhrungen und den Pilos-Typ. Helme des phrygischen Typs sind auch möglich. Alle diese Helme kann man mit verschiedensten Arten von Federschmuck, HelmbĂŒschen, MetallflĂŒgelchen usw. versehen. Als Schilde sind sowohl Aspis als auch Thureos geeignet. Schwert entweder Xiphos (wie der Alfedena-Typ, allerdings mit anderer Scheide) oder Kopis. Zwar wird die Kopis, wie Du schon richtig angemerkt hast, in fast allen mediterranen Kulturen verwendet, es gibt aber trotzdem spezifische lokale Besonderheiten und die von Dir erworbene Kopis gehört eindeutig in den iberischen Raum.
Da Dich ja Poseidonia/Paestum so begeister hat und Du vielleicht noch einen unteritalischen Griechen zwischen 500 - 400 v. Chr. darstellen möchtest, so hast Du dafĂŒr auch schon das meiste Material: Linothorax, Korintherhelm (bis ca. 450 v. Chr. tragbar, danach durch andere Helmtypen, wie z.B. Pilos oder attischer Helm allmĂ€hlich ersetzt) und Aspis. Die spartanische Schildbemalung mĂŒsste natĂŒrlich durch eine großgriechische ersetzt werden. Zwar sind direkt keine Bemalungen griechischer Poleis in SĂŒditalien bekannt, man kann sich aber an den Darstellungen auf den MĂŒnzen der jeweils gewĂ€hlten Polis orientieren.

Übrigens passen hellenistischer Helm und Linothorax auch gut zu einer hellenistischen Darstellung, z.B. als makedonischer Phalangit. :)

Wenn Du Dich noch etwas einlesen willst, so ist einer der besten Einstiege folgendes Buch (leider wohl nur noch antiquarisch zu erhalten):
Peter Connolly: Hannibal und die Feinde Roms, Hamburg 1978.
Es ist zwar in manchen Einzelheiten veraltet, gibt aber immer noch einen schnellen und im besten Sinne populĂ€rwissenschaftlichen Überblick ĂŒber Bewaffnung der altitalischen Völker.

Falls Du weitere RatschlĂ€ge oder Literaturangeben brauchen solltest, helfen wir Dir selbstverstĂ€ndlich gerne weiter. ich wĂŒnsche Dir weiterhin viel Spaß und Erfolg beim Aufbau Deiner Darstellungen, auf deren Ergebnis ich schon freudig gespannt bin.

_________________
Sparates


Wer mĂŒĂŸig geht, wird hoch geehrt; wer das Feld bebaut, wird tief verachtet. Das ehrenvollste Leben ist das Kriegs- und RĂ€uberleben. (Herodot ĂŒber die Thraker)


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BeitragVerfasst: Mittwoch 31. Dezember 2014, 13:25 
Hetairoi
Hetairoi
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Registriert: Dienstag 6. September 2005, 16:23
BeitrÀge: 4464
Wohnort: Speyer
Darstellung: Makedonomachos
LVCIVS hat geschrieben:
Vielleicht ergibt sich ja einmal ein Treffen bei einer Veranstaltung. Vorausgesetzt die Veranstaltungskalender Eurer Interessengemeinschaft und meines Vereins werden immer aktualisiert.

Du bist gerne eingeladen uns auf einen unserer Events zu besuchen ;-)

_________________
Philippos

Athina Itonia
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“I have never seen before something more terrible than the Macedonian phalanx”
Plutarch “Life of Aemilius Paulus”


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BeitragVerfasst: Freitag 2. Januar 2015, 00:59 
Neuling
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Registriert: Samstag 26. Juli 2014, 09:48
BeitrÀge: 9
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SALVE Philippos,

danke fĂŒr Deine Worte, und ein gesundes und aktives Neues Jahr 2015.


VALE,
LVCIVS MARTIVS SCAEVA


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